Deloitte

Schwitzen für den lukrativen Arbeitsvertrag

Astrid Dörner
Wie man bei den Deloitte-Consultants punkten kann (+) und was man vermeiden (-) sollte:(+) Das Team zusammenhalten: "Wer in der Gruppenarbeit merkt, dass andere sich nicht mehr einbringen können, und versucht, sie wieder einzubinden - das finden wir gut", sagt Nicolai Andersen. Typische Fragen sind: "Armin, was meinst du?" Oder: "Hattest du nicht auch gerade eine Idee dazu?"(+) Kontakte knüpfen: Wer zeigt, dass er Spaß daran hat, sich mit den anderen Studenten auszutauschen, fällt positiv auf. Andersen: "Wir haben ständig mit Menschen zu tun. Deshalb müssen uns die Kandidaten zeigen, dass sie sich für andere interessieren." Die Berater achten darauf, wie oft jemand abends den Tisch wechselt, um mit möglichst vielen Leuten zu reden, und wie schnell sich jemand in die Gruppe integriert.(+) Rückgrat zeigen: "Zum Berateralltag gehört auch, vom Kunden kritisiert oder angegriffen zu werden - da muss man richtig reagieren", mahnt Rolf Epstein. Um das zu testen, spielen die Berater den Vorstand eines Unternehmens, vor dem die Bewerber das Ergebnis ihrer Fallstudien präsentieren. Die Nachfragen des fiktiven Vorstands sind hart: "Haben Sie unseren Geschäftsbericht nicht gelesen? Welche Benchmarks haben Sie für Ihr Modell verwendet? Machen Sie das zum ersten Mal?" So können sie sehen, wer auch unter Druck ruhig bleibt und sich freundlich aber bestimmt mit dem Vorstand auseinandersetzt.(+) Offensiv sein: Die Berater stellen sich zwei zentrale Fragen: Würden sie den Kandidaten gern mit aufs Projekt nehmen? Und hätte er bei einem Abendessen mit dem Kunden etwas zu erzählen? "Das merken wir zum Beispiel daran, wenn wir mit den Bewerbern abseits der Fallstudien interessante Gespräche führen können über Themen, die nichts mit Fachthemen zu tun haben. Wenn es uns Spaß macht, uns mit einer Person zu unterhalten, gehen wir davon aus, dass auch unsere Kunden sich gerne mit dieser Person unterhalten werden", sagt Andersen.(-) Wissenslücken vertuschen: Wenn jemand bei der Präsentation der Fallstudien eine Frage nicht beantworten kann, sollte er auf keinen Fall versuchen, sich herauszureden. Besser ist: Zugeben, dass man etwas nicht weiß, und anbieten, die Informationen nachzureichen. "Alles andere beschädigt unseren Ruf. Das dürfen wir uns nicht erlauben", sagt Epstein.(-) Arroganz zeigen: Selbstbewusstsein ist gut, allerdings nur in Maßen. "Beim kleinsten Zeichen von Arroganz gehen bei uns die Warnlampen an", sagt Andersen. "Dabei müssen die Kandidaten nicht mal unbedingt arrogant sein. Es genügt, wenn sie so wirken." Im Einzelgespräch und bei den Abendveranstaltungen finden die Berater heraus, ob jemand zu sehr von sich überzeugt ist: Macht sich jemand lustig über andere? Hört er wiederholt nicht zu, wenn jemand aus seiner Gruppe etwas sagt? Am Flipchart gilt das übrigens nur eingeschränkt. "Wenn ein Bewerber bei der Präsentation so auftritt, wie ein Berater vermeintlich auftreten muss - möglichst glatt, taff und nie um eine Antwort verlegen -, machen wir ihm natürlich keinen Vorwurf. Wir schauen uns aber sehr genau an, ob das wirklich ein Rollenspiel war, oder ob tatsächlich Arroganz dahintersteckt", mahnt Andersen.(-) Alles besser wissen: Wer in den Gesprächen beim Abendessen den Neunmalklugen spielt, schießt sich selbst ins Aus. Die Berater wollen nicht, dass sich jemand zu stark in den Vordergrund drängt, um allen zu zeigen, was für ein toller Hecht er ist. Auch wer sein Wissen vortäuscht, kommt nicht gut an. "Es fällt sofort auf, wenn jemand nur mit Worthülsen um sich wirft, um irgendwie mitreden zu können", sagt Andersen. Wer dagegen wirklich Interesse am Thema hat, der sollte seine Fragen ruhig stellen.(-) Schema F anwenden: In vielen Büchern werden Methoden erklärt, mit denen man verschiedene Typen von Fallstudien lösen kann. Ein klassisches Beispiel ist die so genannte SWOT-Analyse, die die Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Gefahren eines Unternehmens analysiert. Solche Analysewerkzeuge anzuwenden, ist nicht per se falsch. Allerdings sollte man nicht versuchen, in der Gruppenarbeit die Aufgaben unbedingt nach einem vorgefertigten Schema zu lösen. Der Satz "Ich hab' schon zehn Fallstudien gemacht, ich weiß, was die Berater hören wollen" kommt in der Regel eher schlecht an. "Lieber sind uns kreative Lösungen, die zeigen, dass die Studenten analytisch denken können und das Problem im Kern erkannt haben. Wer nur Standardlösungsansätze runterspult, wird kein guter Berater werden", sagt Andersen.(-) Nicht zu viel fordern: Auch wenn viele Beratungshäuser die Absolventen mit hohen Gehältern locken, sollte man bei Recruiting-Veranstaltungen kein überzogenes Anspruchsdenken zeigen. "Wer deutlich macht, dass er vor allem deshalb Berater werden will, weil ihm Statussymbole wichtig sind, der ist bei uns fehl am Platz", sagt Andersen. Auch, wer sich zu viel auf seinen Marktwert einbildet und beim Thema Gehalt als Anfänger überzogene Vorstellungen hat, sammelt Minuspunkte. Andersen: "Solche Leute verursachen vor allem Schaden, denn sie signalisieren, dass die Eigenoptimierung über dem Team- und dem Kundendenken steht."*Name von der Redaktion geändert.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.05.2008

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