Personaler stehen auf soziales Engagement


Ehrenamt_großerBruder Menschen helfen im "Big Brother Big Sister" - Programm Foto: © PR

Am liebsten sind den Unternehmen aber Kandidaten wie Julia Thimm: Die 24-Jährige hat flott studiert und eine Hand voll Praktika absolviert. Doch während andere Studenten über zu volle Stundenpläne klagen, listet der Lebenslauf der Staats- und Kommunikationswissenschaftlerin gleich elf Ehrenämter auf - von Greenpeace über den Fachschaftsrat bis hin zur Hilfe für Kinder in Guatemala. Gerade macht die Berlinerin ein Praktikum in der Pressestelle von Amnesty International. "Mich musste man nie darauf hinweisen, dass soziales Engagement im Lebenslauf gut ankommt", lacht die angehende Master-Studentin. "Ich habe es einfach gemacht." Schließlich waren schon ihre Großeltern bei Amnesty engagiert.

Zeit für Hobbys bleibt immer noch

Bei Bewerbungen für Praktika und Stipendien sorgt Julias Einsatz regelmäßig für Erstaunen. "Klar, da werde ich immer drauf angesprochen", sagt die Einser-Absolventin. Dass sie mit einem Erasmus-Stipendium nach Spanien ging und jetzt Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes ist, hat sicher auch mit ihren Ehrenämtern zu tun. Schließlich geht bei den meisten Stipendien kaum etwas ohne soziales Engagement. Auf Freizeit muss Julia Thimm dennoch nicht verzichten: "Ich gehe trotzdem regelmäßig ins Theater, ins Kino und zum Sport."

Doch nicht alle Studenten wollen oder können viel Zeit für ein Ehrenamt aufbringen. 64 Prozent der nicht aktiven Studierenden gaben in der HIS-Studie an: "Mein Studium ist so zeitintensiv, dass nebenbei keine freie Zeit bleibt." Berufstätigen geht es ganz ähnlich: Wer für den Job dauernd unterwegs ist, der kann sich einfach nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr verpflichten. Deshalb geht der Trend bei Freiwilligenorganisationen zum Kurzzeit-Engagement. So vermittelt die Berlin-Münchener Initiative "Heute ein Engel" Einsätze, die nur ein paar Stunden dauern. Auch die Idee des Online-Volunteerings - hier braucht man für das Ehrenamt nur einen Computer - fasst seit kurzem auch in Deutschland Fuß. Das ist ideal für Berufstätige. Und auch für jene Studenten, denen die stark verschulten Bachelor- und Masterstudiengänge nur noch wenig Freiraum lassen.

Sozial kommt besser als politisch

"Ich glaube nicht, dass Studenten in Zukunft weniger Ehrenämter übernehmen", beruhigt Karriereberater Jürgen Hesse all jene, die durch den Bologna-Prozess schon einen Notstand beim Ehrenamt befürchten. "Die Karriereorientierten unter ihnen spüren, dass ihre Studienleistung und eine kurze Studienzeit allein nicht ausreichen." Deshalb sollten sie schon bei der Wahl ihres Ehrenamtes gezielt vorgehen: Soziales Engagement und alles, was mit Menschen zu tun hat, kommt bei Personalern mit Abstand am besten an, weiß Jürgen Hesse. Politische Ehrenämter dagegen sind je nach Weltsicht des Unternehmens mit Vorsicht zu genießen. Wer schon weiß, wo es für ihn beruflich hingehen wird, dem empfiehlt Hesse: "Im weitesten Sinne sollte das Engagement etwas mit dem eigenen Beruf zu tun haben. Eine angehende PR-Referentin könnte zum Beispiel das Pressebüro einer sozialen Initiative leiten."

Carla Gellert hat es also genau richtig gemacht: Auch ihr Chef findet es klasse, dass sie sich als "große Schwester" der kleinen Ilknur engagiert. Schließlich ist sie an der Uni Mannheim für das Service Learning zuständig, bei dem Studenten ihr Wissen in gemeinnützigen Projekten anwenden. Doch der Kontakt zu Ilknur ist für Carla Gellert längst viel mehr geworden als nur irgendein Ehrenamt: Schon jetzt steht für sie fest, dass sie sich auch nach dem einen "Pflicht"-Jahr weiter mit ihr treffen wird: "Ich habe das Gefühl, für sie Verantwortung übernommen zu haben. Und das fühlt sich gut an."

Hier können Sie Gutes tun

www.hilfsorganisationen.de  Die Plattform für Deutschlands Hilfsorganisationen listet Hunderte Links auf - von Rettungsdiensten über soziale Einrichtungen und Bildungsorganisationen bis hin zu Tier- und Umweltprojekten.

http://bagfa.de/ -> "Agenturen" -> "Liste" Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (Bagfa) hat eine Übersicht von 150 lokalen Freiwilligenagenturen in allen größeren Städten zusammengestellt.

www.bbbsd.org "Big Brothers Big Sisters Deutschland" ist ein Mentorenprogramm für Kinder und Jugendliche. Frauen, die mitmachen wollen, kümmern sich ein Jahr lang um ein Mädchen, Männer um einen Jungen. Bislang nur in der Region Rhein-Neckar, ab 2008 auch in anderen Regionen.

www.gute-tat.de Die Initiative "Heute ein Engel" wendet sich an Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, aber nur wenig Zeit mitbringen, etwa Studenten oder Berufstätige. In Berlin und München vermittelt die Initiative soziale Kurzzeit-Einsätze. 

www.spendenportal.de Hier kann man nicht nur Geld für die gute Sache spenden: In der so genannten Zeitspenden-Börse haben gemeinnützige Organisationen all jene Projekte aufgelistet, für die sie die Hilfe (und damit die Zeit) von Ehrenamtlichen benötigen.

www.studis-online.de/hopo/ini.php Linkliste und Kurzbeschreibungen der wichtigsten studentischen Initiativen. Die Bandbreite reicht von karriereorientierten und studienfach-spezifischen Gruppen über Studierendenaustausch bis hin zu Kultur- und Entwicklungshilfeprojekten.

www.onlinevolunteering.org Das Online-Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen vermittelt Projekte für Ehrenamtliche, die sich via Internet engagieren möchten - etwa mit Übersetzungen oder der Gestaltung von Webseiten.

www.civil-academy.de Die Civil Academy ist ein Qualifizierungs- programm für junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren, die eine gute Idee für ehrenamtliches Engagement haben. In drei Wochenseminaren können die Teilnehmer ihre Projekte entwickeln und ausbauen. Bewerbungsschluss: 8. Juli 2007. 

www.socialtimes.de Internet-Zeitung für bürgerschaftliches Engagement, mit aktuellen Nachrichten und Hintergrundberichten zu sozialen, kulturellen, ökologischen und internationalen Themen.

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1 Kommentare zu “Personaler stehen auf soziales Engagement”


von Volljuristin am 07.02.2010 12:51 Uhr



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