Bewerbung

Lebenslauf mit sprechendem Foto

Astrid Oldekop
Manuel Hummel beispielsweise hat vor dem Studium vier Monate als Musiker in Großbritannien verbracht. Hört man seinen britischen Akzent, achtet man auf seine distinguierte Mimik, wie er gerade mal eine Augenbraue in die Höhe zieht, so nimmt man dem 22-Jährigen, der statt Krawatte ein Einstecktuch trägt, seine Begeisterung für die britische Lebensart sofort ab. Die trockene Aussage "English - advanced level", die am Ende seines Lebenslaufes leicht überlesen wird, füllt sich mit Leben und wird zum wichtigen Einstellungsfaktor.An seinem Text saß er eine Woche lang, das Video nahm er am Wochenende auf. Es ist zwei Minuten lang und gliedert sich in drei Abschnitte - ein Elevator Pitch, eine Schnellpräsentation seiner Vorzüge und Stärken. Gedreht hat er das Video mit der Software des Anbieters CV One, anschließend hat er den Film auf die Seite des Betreibers hochgeladen. Den Link (manuelhummel.gocvone.com) schickt er nun an interessierte Arbeitgeber. Neugierige Surfer können ihn nicht ansteuern, denn im Unterschied zu Spaßforen wie Youtube geht CV One zurückhaltend mit Bewerberdaten um.Das Paket inklusive Fragenkatalog, Musterdrehbuch und einjährigem Hosting kostet 39 Euro. Bisher haben erst 100 Bewerber die Software genutzt. Hersteller Steve Riedel preist die Nebenwirkung der Videos: "Spätestens im Vorstellungsgespräch muss der Bewerber sich präsentieren und für sich werben. Das Video zwingt ihn, das vorwegzunehmen, zu trainieren und zu reflektieren."Keine Praktikanten, sondern eine zahlungskräftigere Zielgruppe hat Jutta Ganitis von My Attention, im Visier: Kandidaten aus der Hotellerie. "In einem Video können Bewerber beweisen, dass sie freundlich sind und verkaufen können", sagt Ganitis. Die Beraterin unterstützt beim Schreiben des Drehbuchs, hilft, das passende Outfit zu wählen, sorgt für Make-up und lässt im professionellen Filmstudio drehen. Am Ende bekommt der Kandidat eine CD-Rom und einen Link zu seinem Film im Netz. Mindestens 500 Euro kostet ihr Paket. Noch ist die Nachfrage schleppend, seit Januar hat Ganitis 18 Filme produziert. Die größte Überraschung für Bewerber sei die Erkenntnis, wie einfach das Reden vor der Kamera sei, sagt sie. "Vor jeder Präsentation hat man mehr Angst."Bewerbungscoach Gerhard Winkler sieht in der Videobewerbung ein geeignetes Medium für Sales-Leute. "Leute aus dem Vertrieb tun sich oft mit der Schriftsprache schwer und fallen häufig in altertümliches Deutsch", sagt er. Auch in anderen Jobs, bei denen Persönlichkeit, Selbstdarstellung und Sprechvermögen gefordert seien, werden sich die Videos durchsetzen, sagt Winkler und verweist auf PR- und Werbeagenturen sowie Internetfirmen. "Mit einem Bewerbungsvideo zeigt man, dass man zum Clan gehört und in die Mannschaft passt." Für konventionelle Branchen sei diese Form aber wohl doch noch zu früh, schränkt er ein.

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