Für Elise ging's ums Ganze. Noch einmal durfte sie die Aufnahmeprüfung nicht vergeigen. Sie konnte von Glück sagen, dass sie an der Schule, auf die sie unbedingt wollte, überhaupt noch eine zweite Chance bekam.
Schließlich hatte sie das letzte Mal beim Zucker-Salz-Projekt völlig versagt, es ganz den nach vorne drängenden Jungs überlassen, herauszufinden, wie man denn Zucker- und Salzkörner voneinander trennen könnte, und nur noch resigniert aus dem Fenster geschaut. Und mit Schlechtestnoten in Teamfähigkeit und Kreativität besteht man nun mal kein Assessment-Center."Du musst die Prüfer mit irgendwas überraschen", coachte CEO Papa auf der Fahrt zum zweiten Anlauf. "Wenn sie dich im Gedächtnis behalten, hast du schon so gut wie gewonnen." Und er erzählte von dem Kollegen, der im Bewerbungsgespräch beiläufig erwähnt hatte, früher sein Geld als Straßenkünstler und Jongleur verdient zu haben. Natürlich wurde er gebeten, mal was vorzujonglieren, und er kramte in seinen Taschen, fand einen Apfel, einen Tabaksbeutel und ein Feuerzeug und jonglierte damit. "Das war doch bestimmt sehr schwierig?" fragte Elise und zog ihre Stirn kraus. "Aber nicht, wenn man vorher tagelang geübt hat, überrascht in seinen Taschen zu kramen und dann mit Apfel, Tabaksbeutel und Feuerzeug zu jonglieren.""Cool", sagte Elise, fiel aber gleich darauf dramatisch wieder in sich zusammen. "Ich kann aber nicht jonglieren." Schweigen. "Papa", kam es schließlich nach langer Pause, "du kannst doch auch nicht jonglieren. Wie hast du denn deine Aufnahmeprüfungen bestanden?" - "Na ja, damals, als es um das Stipendium ging, habe ich mein Strickzeug zum Auswahlseminar mitgenommen. Einen Ärmel eines Norweger-Pullovers habe ich an dem Wochenende geschafft, und das Stipendium habe ich dann ja tatsächlich auch bekommen." - "Hätte ich jetzt mein Strickzeug mitnehmen sollen?" - "Nein, Elise. Ein strickendes Mädchen ist nichts Besonderes, das fällt nicht auf." Schweigen. "Also müsste ich vielleicht ...", und den Rest ihrer Gedanken behielt Elise für sich.Zwei Tage später holte CEO Papa seine Nachwuchshoffnung wieder ab. "Moment, Papa, ich komme gleich. Ich muss nur erst noch Sven treten." Sprach's, sprintete zu einer Jungs-Gruppe, die kreischend auseinanderstob, und erwischte Svens Hintern gerade noch mit der Schuhspitze. "Hast du dich das ganze Wochenende mit den Jungs geprügelt?" fragte ein ziemlich konsternierter CEO. "Klar. Ich sollte doch etwas machen, was man als Mädchen nicht macht."
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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