Bewerbungs-Check

"Ich muss hier weg!"

C. Püttjer, U. Schnierda
Damit Sie in, Schritt vier, der Bewerbungsphase, Erfolg haben, legen wir Ihnen unsere Strategie der "selektiven Wahrheit" ans Herz. Das große Problem vieler Frustwechsler ist, dass sie im Vorstellungsgespräch das Anforderungsprofil der neuen Stelle aus den Augen verlieren und angestachelt durch Fragen nach den Wechselgründen vorwiegend Schwierigkeiten mit Kollegen oder Chefs und Über- oder Unterforderung in der täglichen Arbeit in epischer Breite thematisieren. Der Wunsch, Dampf abzulassen, ist verständlich, aber im Bewerbungsverfahren unangebracht und kontraproduktiv. Machen Sie es anders, üben Sie sich darin, Ihre Stärken in den Mittelpunkt zu stellen.Nähert sich das Bewerbungsverfahren dem gewünschten Ende, weil Sie ein neues Arbeitsangebot erhalten haben, steht der letzte Schritt, die endgültige Entscheidung an. Sollen Sie den neuen Arbeitsvertrag unterschreiben oder am alten Arbeitsplatz bleiben? Wir können und wollen Ihnen Ihre Entscheidung nicht abnehmen, denn die grundsätzliche Verantwortung für Ihr (Berufs-)Leben haben Sie selbst. Sie sollten jedoch nicht darauf hoffen, dass sich aus heiterem Himmel das Füllhorn des beruflichen Glücks von allein öffnet und über Sie ergießt. Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise zeigt sich einmal mehr, dass die Zeiten der lebenslangen Arbeitstreue endgültig vorbei sind. Das 25-jährige Jubiläum der Firmenzugehörigkeit einschließlich vergoldeter Taschenuhr vom Chef ist für Ihre Generation nur noch ein Märchen aus vergangenen Zeiten. Diese Entwicklung kann man durchaus beklagen, aufhalten lässt sie sich nicht. Wir glauben, dass die meisten Menschen mehr Möglichkeiten haben, als ihnen bewusst ist. Also gilt im Zweifel: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!Christian Püttjer und Uwe Schnierda beraten seit 16 Jahren Ein- und Aufsteiger (www.karriereakademie.de) und schreiben Ratgeber zur beruflichen Erfolgsstrategie.Was Personaler denkenWas Personaler denken Ein Jobwechsel kann Teil einer strategischen Karriereplanung sein. Manchmal sind betriebliche Gründe Auslöser, manchmal sind es private Gründe, etwa weil der Partner die Stadt wechselt. Im Anschreiben sollte der Bewerber darlegen, warum er zu uns will. Die persönlichen Gründe besprechen wir im Vorstellungsgespräch. Wer sich gut vorbereitet, kann uns das glaubhaft und authentisch erklären. Doch leider sind die Überlegungen mancher Kandidaten nicht ausgereift. Selbst wenn die Chemie beim alten Arbeitgeber nicht mehr stimmt, etwa weil sich Aufgaben oder Hierarchien verschoben haben, kann ein Bewerber das reflektiert darstellen, ohne sich negativ über den alten Arbeitgeber zu äußern. Wem es im Mittelstand zu eng geworden ist, kann uns glaubhaft sagen, dass er für ein global agierendes Unternehmen mit innovativen Marken arbeiten will.Martina Eissing ist Leiterin des Personalmarketing und -recruiting bei der BMW Group. Mitarbeiter*: 72600; Bewerbungen: 50000; persönliche Interviews: 600; Einstellungen: über 200; *Deutschland, 2008Ihr Weg zur Entscheidung1. Ziehen Sie Bilanz: Was verleidet Ihnen die Freude an der Arbeit? Demotivierende Vorgesetzte, langweilige Arbeitsinhalte, nervige Kollegen, allgemeine Branchenprobleme, fehlende Zukunftsperspektiven oder die ganz große Sinnfrage?2. Definieren Sie Ihre Wünsche: Brauchen Sie einen Chef, der Sie besser unterstützt? Möchten Sie sich mit den Produkten oder Dienstleistungen stärker identifizieren? Benötigen Sie mehr Abwechslung, Führungsverantwortung oder Entscheidungsfreiräume?3. Schätzen Sie Ihre Fähigkeiten ein: Machen Sie eine lückenlose Aufstellung Ihrer bisherigen beruflichen Aufgaben. Die meisten Menschen haben mehr zu bieten, als sie glauben. Schreiben Sie in Stichworten auf, was Sie gelernt und gemacht haben.4. Bewerben mit Stärken: Achten Sie auf das Anforderungsprofil der neuen Stelle. Reden Sie nicht schlecht über Ihre alte Stelle. Betonen Sie Ihre Stärken.5. Bleiben oder gehen? Treffen Sie eine mutige Entscheidung.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.11.2009

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