Bewerbungs-Check

"Ich muss hier weg!"

C. Püttjer, U. Schnierda
Sie wollen den Job wechseln? Ziehen Sie Bilanz, definieren Sie Ihre Wünsche und erkennen Sie Ihre Stärken. Sollten Sie sich für einen Wechsel entscheiden, müssen Sie eins beachten: Lassen Sie im Bewerbungsgespräch niemals Dampf ab.
Gehen oder bleiben - das ist hier die Frage!Foto: © Nicola Schaller
Frust und Enttäuschung am Arbeitsplatz sollte man ernst nehmen. Natürlich gehören zum Berufsleben auch Phasen, in denen nicht alles optimal läuft. Problematisch wird es aber, wenn sich die Schwierigkeiten häufen. Erkennen Sie die Warnzeichen: Beginnen Sie schon am Nachmittag, alle zehn Minuten auf die Uhr zu schauen und den Feierabend herbeizusehnen? Entlockt Ihnen der Gedanke an Meetings nur Gähnen? Gehen Sie Kollegen und Chefs aus dem Weg? Flüchten Sie häufiger als früher in bunte Internetwelten, Alkohol oder sinnentleerte Tätigkeiten? Fühlen Sie sich gereizt, weil Sie um sich herum nur Störenfriede und Blockaden sehen?
Wichtige ZwischenbilanzZunächst sollten Sie überlegen, was Ihnen die Freude an der Arbeit verleidet: Geht es um demotivierende Vorgesetzte, langweilige Arbeitsinhalte, nervige Kollegen, allgemeine Branchenprobleme, fehlende Zukunftsperspektiven oder die ganz große Sinnfrage? Meist treten die Schwierigkeiten nicht in allen Bereichen gleichzeitig auf. Führen Sie eine realistische Situationsklärung durch, damit Sie nicht im allgemeinen Gefühl der Ohnmacht und Unzufriedenheit untergehen. Ihre Zwischenbilanz ist wichtig, weil Sie eine Grundlage für Schritt zwei, Ihre Wünsche an die neue Stelle, haben.Ihre Empfindung "Ich muss hier weg!" erleichtert Ihnen, Veränderungsprozesse einzuleiten. Doch die bloße Ablehnung des Alten hilft nicht dabei zu erkennen, wie die Zukunft aussehen soll. Deshalb sollten Sie Ihre Wünsche an den neuen Job definieren. Natürlich gibt es keinen paradiesischen Arbeitsplatz, einige Kompromisse werden Sie eingehen müssen. Ihre Berufserfahrung hilft Ihnen bei der Entscheidung. Klären Sie: Brauche ich einen Chef, der mich besser unterstützt? Möchte ich mich mit den Produkten oder Dienstleistungen stärker identifizieren? Wünsche ich mir Kollegen, die mit mir an einem Strang ziehen? Benötige ich mehr Abwechslung durch Projektarbeit? Möchte ich Führungsverantwortung oder mehr Entscheidungsfreiräume?Bevor es an den eigentlichen Stellenwechsel geht, möchten wir im dritten Schritt noch ausdrücklich Ihr Selbstbewusstsein stärken. Damit meinen wir nicht die übertriebene "Ich kann alles!"-Attitüde, sondern eine glaubwürdige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Fast alle Menschen haben viel mehr zu bieten, als sie glauben. Zunächst sollten Sie eine lückenlose Aufstellung Ihrer bisherigen beruflichen Aufgaben ausarbeiten und in Stichworten aufschreiben, was Sie gelernt und gemacht haben. So vermeiden Sie es, mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf in das Bewerbungsverfahren zu stolpern. Ihre Überzeugungskraft wird viel größer sein, wenn Sie aufrecht und im vollen Bewusstsein der eigenen Stärken auftreten.

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