Karrierestart

Einstieg mit Hindernissen

Katja Stricker
Foto: © Junge Karriere
Auch an Viktor Schulz geht die bisher erfolglose Jobsuche nicht spurlos vorbei. Gut 20 Bewerbungen hat der Diplom-Kaufmann seit seinem Abschluss geschrieben - und bisher nur Absagen kassiert. "Die Ungewissheit kann einem schon auf die Stimmung schlagen", sagt der 26-Jährige. Deshalb kam das Angebot einer mittelständischen Unternehmensberatung aus Mannheim, ein dreimonatiges Praktikum zu machen, wie gerufen. Eigentlich hatte sich Schulz auf eine feste Stelle bei der Beratung beworben, angeboten hat man ihm nur ein Praktikum - erst mal.
Bewährt er sich, hat er die Aussicht, als fester Mitarbeiter übernommen zu werden. "Natürlich wollte ich als Absolvent nicht unbedingt noch mal ein Praktikum machen", sagt der Diplom-Kaufmann, der während seines Studiums bereits Erfahrungen in mehreren Unternehmen gesammelt hat. "Aber ich bin froh, die Chance zu bekommen, mich zu beweisen." Immerhin: Er werde "fair bezahlt", so Schulz, und viele Berater haben wie er als Praktikant angefangen. Das stimmt ihn optimistisch, dass sein Praktikum bald auch zum Sprungbrett für den Jobeinstieg wird.Lassen Sie sich nicht ausbeutenWie Viktor Schulz denken viele Absolventen, die verzweifelt auf Jobsuche sind - und auch Unternehmen bieten immer häufiger Absolventenpraktika an, beobachtet Karriereberater Rübel. Meist gäbe es zwischen 800 und 1300 Euro im Monat, "das ist nicht viel für einen fertig ausgebildeten Akademiker". Trotzdem rät der Experte, das Risiko einzugehen, "wenn ich mir gute Chancen ausrechne, dort eine feste Stelle zu ergattern".Zu lange sollte das Praktikum allerdings nicht dauern, maximal drei bis vier Monate so Rübel: "Wird ein Absolvent länger hingehalten, etwa ein halbes oder gar ganzes Jahr, riecht das doch sehr nach Ausbeutung." Außerdem fehle einem im Vollzeit-Praktikum schlicht die Zeit, sich weiter zu bewerben. Weiteres Entscheidungskriterium: Gibt es, wie bei Viktor Schulz, bereits andere Mitarbeiter, die über ein Praktikum dort den Jobeinstieg geschafft haben? Für den BWL-Absolventen aus Frankfurt ist das Praktikum jedenfalls mehr als eine Notlösung. "Sollte es am Ende mit dem Jobeinstieg doch nicht klappen, so habe ich keine Lücke im Lebenslauf und wertvolle Praxiserfahrung gesammelt", sagt er pragmatisch.Und die ist aktuell das wichtigste Entscheidungskriterium bei der Besetzung von freien Stellen, sagen Arbeitsmarktexperten wie Ralf Beckmann. Doch außer ein paar Praktika und Ferienjobs können die meisten Absolventen nicht viel bieten. Trotzdem sollten sich Berufseinsteiger nicht gleich abschrecken lassen, wenn in der Stellenanzeige explizit Leute mit Berufserfahrung gesucht werden. Diese Erfahrung hat zumindest Christine Hesse gemacht.Die junge Maschinenbauingenieurin hat ihr Studium an der Fachhochschule Hannover im Januar 2009 abgeschlossen. "Gleich in den ersten Wochen habe ich rund 40 Bewerbungen rausgeschickt - und tatsächlich sofort ein Jobangebot bekommen", erzählt die 25-Jährige. "Allerdings war das überhaupt nicht mein Traumjob - daher habe ich abgesagt." Als in den nächsten Wochen überwiegend Absagen in den Briefkasten flatterten, "habe ich arge Zweifel bekommen, ob ich da vielleicht einen großen Fehler gemacht habe", gesteht die Ingenieurin, die neben ihrem Studium auch eine Ausbildung als Technische Zeichnerin absolviert hat.Traumjob nach dem ExamenDrei Monate - diese Frist hatte sich Christine Hesse selbst gesetzt - in dieser Zeit sollte es mit dem Traumjob klappen. "Danach hätte ich sicher auch Jobs angenommen, die nicht perfekt gepasst hätten." Dazu kam es nicht mehr. Anfang März stieß Hesse in der Tageszeitung auf die Anzeige des Reifenherstellers Hankook Tire, der für sein europäisches Entwicklungszentrum in Langenhagen bei Hannover neue Mitarbeiter suchte. "Allerdings mit Berufserfahrung", so die 25-Jährige. Trotzdem schickte sie ihre Bewerbung raus, und nach zwei Gesprächen im Unternehmen war klar: Sie bekommt den Job als Produktentwicklerin - nur knapp drei Monate nach dem Examen. Und kurz vor Ende ihrer Frist.So viel Glück haben nur wenige. "Selbst gute Absolventen müssen aktuell bis zu einem Jahr nach einem Job suchen", sagt Berater Rübel. Zieht sich die Arbeitslosigkeit allzu lange hin, ist das nicht nur Gift fürs Selbstbewusstsein, sondern auch für den Lebenslauf. Die Chance, eine der wenigen Stellen zu ergattern, wird zudem immer geringer, denn jedes halbe Jahr strömen neue Absolventen von den Hochschulen auf den Jobmarkt. Die Konkurrenz unter den Bewerbern wird also immer größer.

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