Rhetorik

Die hohe Schule des Konterns

Marc Winkelmann
So antworten Sie auf kritische Fragen"Sie sind aber nervös."
Es ist keine Schande, in einer Prüfung nervös zu sein. Sie nehmen die Situation halt ernst. Würde es dem Prüfer besser gefallen, wenn Sie die letzten Nächte durchgetanzt hätten? Führen Sie ihm diese Alternative mit der Besser-als-Technik vor Augen: "Ich bin lieber nervös als desinteressiert und schlecht vorbereitet."
"Besonders entscheidungsfreudig scheinen Sie nicht zu sein." 
Nicht drängeln lassen. Von einer schnellen, aber falschen Antwort hat auch Ihr Chef nichts. Machen Sie ihm klar, dass Ihre ruhige, konzentrierte Art für alle vorteilhaft ist. Dabei hilft die Gerade-weil-Technik: "Gerade weil ich meine Aufgaben genau abwäge, komme ich so gut mit der Arbeit voran."
"Sie haben offensichtlich Lücken." 
Erwischt! Leugnen bringt in dieser Prüfung nichts. Machen Sie also Zugeständnisse: "Das stimmt. Umso mehr werde ich mich bei den anderen Themen anstrengen." Oder gewinnen Sie Zeit, indem Sie zurückfragen: "Was genau meinen Sie damit?" Schweift der Prüfer nun ab, dringt er vielleicht nicht zu weiteren Wissenslücken vor.
"Wenn Sie vorbereitet wären, wüssten Sie, dass ..." 
Ihnen pauschal vorzuwerfen, Sie hätten sich nicht vorbereitet, ist eine Gemeinheit und hoffentlich falsch. Weisen Sie Ihren Vorgesetzten darauf hin, dass er eine Grenze überschritten hat (Abgrenzungs-Technik): "Bitte bleiben Sie fair. Ich habe mich selbstverständlich vorbereitet." Sie können seine Unterstellung auch zuspitzen und die Übersetzer-Technik anwenden: "Sie haben mir gerade vorgeworfen, ich würde in ein wichtiges Meeting spazieren, ohne vorher eine Zeile gelesen zu haben." Derart in die Ecke gedrängt, wird Ihr Chef wahrscheinlich abwiegeln.
"Können Sie auch mal was zur Diskussion beitragen?" 
Einige Chefs nutzen Meetings zur Selbstdarstellung und werfen Mitarbeitern hinterher vor, ihn nicht unterbrochen zu haben. Schwafler zu entlarven, ist gefährlich. Geben Sie ihm lieber ein paar Streicheleinheiten (Komplimente-Technik): "Sehr gerne, ich möchte an etwas unheimlich Wichtiges anknüpfen, das Sie eben gesagt haben, nämlich ..."
"Ihnen fehlt Berufserfahrung." 
Der Hass-Satz jedes Anfängers. Sind Sie ein unbeschriebenes Blatt, hilft eine Ablenkung. Zeigen Sie, was noch schlimmer wäre als ein Mangel an Berufserfahrung (Besser-als-Technik): "Besser unerfahren als lernunwillig. Und lernen will ich."
"Ich fürchte, Sie sind dieser Aufgabe nicht gewachsen." 
Reine Vermutung. Der klassische Konter (Retour-Technik) lautet: "Und ich fürchte, Sie sind Ihrer Aufgabe, wertvolle Talente zu erkennen, nicht gewachsen." Aber das wäre wohl Ihr letzter Satz in dieser Firma. Bleiben Sie gelassen und holen Sie aus der Killerphrase das Wenige heraus, das sich in Ihrem Sinne umdeuten lässt (Übersetzer-Technik): "Das bedeutet, dass Sie mich nicht grundsätzlich ablehnen. Und damit haben Sie Recht, denn ..."
Schlagfertig antworten:Wie verhält man sich im Vorstellungsgespräch, wenn der Chef bohrende Fragen stellt? Und welche Antworten helfen nicht weiter? Das Hörbuch "Schlagfertig antworten" spielt 22 typische Fragen zur persönlichen Motivation und zur beruflichen Entwicklung durch, die Bewerbern gestellt werden. Leser von Handelsblatt Junge Karriere bekommen die CD kostenlos zugeschickt, sofern der Vorrat reicht. Fordern Sie die CD per Fax (02 11/8 87-3643), E-Mail (karriere.vertriebsservice@ vhb.de) oder unter Telefon 01805/990030 (14 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz) an.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.12.2008

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