Bewerbung

"Der persönliche Eindruck spielt eine große Rolle"

Dorothee Fricke
Klar, dass zerrissene Jeans und speckige Sneakers nicht das optimale Outfit für ein Bewerbungsgespräch sind. Muss man sich auf jeden Fall Anzug und Krawatte oder ein Kostüm zulegen?
Nein, das wäre in den meisten Fällen völlig übertrieben. Kaum etwas falsch machen kann man in einer Stoffhose plus Hemd oder Bluse. Darüber sieht ein Pulli mit V-Ausschnitt gut aus. Selbst in konservativen Unternehmen wie Versicherungen wird von Bewerbern um einen Ausbildungsplatz nicht mehr erwartet, dass sie eine Krawatte tragen. Bei einer Bank sollten Jungs aber einen Anzug samt Hemd und Krawatte anziehen. Für junge Frauen empfiehlt sich ein Kostüm oder Hosenanzug. Und: Wenn man sich nicht gerade in einer hippen Werbeagentur bewirbt, sind Turnschuhe fehl am Platz.
Wann darf ich im Vorstellungsgespräch lügen?
Verboten sind Fragen nach Schwangerschaft, Familienplanung, religiöser oder politischer Gesinnung. Bei solchen Fragen dürfen Bewerber knallhart lügen. Ansonsten rate ich zur selektiven Ehrlichkeit. Das heißt: Man braucht nichts sagen, was einen schlecht dastehen lässt. Ein Beispiel: Wer wegen Krankheit länger in der Schule gefehlt hat und deshalb ein Schuljahr wiederholen musste, sollte nicht zu sehr ins Detail gehen. Auf jeden Fall sollte man aber betonen, dass man jetzt wieder fit und leistungsfähig ist.
Wie erkläre ich eine schlechte Note?
Auf keinen Fall pampig werden oder sagen, dass man den Mathe-Stoff aus der Oberstufe eh nicht mehr brauchen wird. Stattdessen: Dem Gesprächspartner Recht geben und sagen, dass man sich selbst über die Note geärgert hat. Ideal ist es, zu zeigen, dass man an sich arbeiten möchte, indem man zum Beispiel anführt, dass man einen Englischkurs belegt hat.
Die Wirtschaftskrise kostet in vielen Unternehmen Arbeitsplätze. Wird es dadurch auch für Abiturienten auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz schwerer?
Da würde ich mir weniger Sorgen machen. Auch wenn insgesamt Arbeitsplätze abgebaut werden, stellen die Unternehmen weiter Auszubildende ein. Zwar wird die Stimmung noch eine Weile schlecht bleiben, aber wer jetzt oder in den nächsten Jahren Abi macht, gehört zu einer Generation geburtenschwacher Jahrgänge. Da wird es langfristig eher einen Run auf die Guten geben.
Zur Person
Christian Püttjer ist Karrieretrainer, Bewerbungsberater und Autor diverser Karrierebücher. Besonders hilfreich für Abiturienten sind die Bücher "20 perfekte Bewerbungen für die Ausbildungsplatzsuche" (Campus Verlag, 14,90 Euro) und das "Handbuch Einstellungstest (Campus Verlag, 21,90 Euro).

(15.6.2009)
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