Bewerbung

Das Zeugnis selbst schreiben

Carola Sonnet
Was in die Verhaltensbeurteilung gehört:
Die Motivation und Arbeitsweise werden anhand bestimmter Signalwörter besonders betont: "schnelle Auffassungsgabe", "stets hoch belastbar und sehr tüchtig", "zuverlässig", "stets freundlich und aufgeschlossen gegenüber Kollegen und Vorgesetzten", "engagiert", "hochmotiviert". Der Satz "Sie wurde auch von Kunden sehr geschätzt" zeigt, dass sich die persönliche und fachliche Qualifikation nicht nur bei den Kollegen gezeigt hat.
Der Eindruck am Ende des Zeugnisses spielt die entscheidende Rolle bei der Aussage, wie gut ein Praktikant wirklich war, er sollte auf keinen Fall aus Angst vor Formulierungen vernachlässigt werden. Die Aussagen über die Motivation und Arbeitsweise helfen zukünftigen Arbeitgebern bei der Einschätzung, ob der Mitarbeiter für das eigene Unternehmen die geeigneten Voraussetzungen mitbringt. Dazu gehört zum Beispiel auch, ob jemand pünktlich war, wenn das für die Position von Bedeutung ist, oder ob er vertrauenswürdig handelte, wenn er mit Geld oder sensiblen Daten zu tun hatte. Fehlt diese Angabe, kann das auch als Fehlen dieser Eigenschaft gewertet werden.Was in die Schlussbeurteilung gehört: 
"Wir danken ihr für die hervorragende Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihren beruflichen Weg weiterhin alles Gute." Aufwertend könnte noch hinzugefügt werden, dass der Weggang bedauert wird - bei einem Praktikumszeugnis wäre dieser Zusatz jedoch eher unüblich.
Die Chance, sich selbst zu bewerten und das Risiko, übers Ziel hinauszuschießen, liegen selten enger beisammen als bei einem Zeugnis, das man selber schreibt. Sollte also im Nachhinein das Zeugnis doch anders aussehen als es sich der Selber-Schreiber gewünscht hat, gibt es immer die Möglichkeit der freundlichen Nachverhandlung. Dafür ist diplomatisches Geschick gefordert.Ansprechpartner sollte vor dem Vorgesetzten ein vertrauter Mitarbeiter sein, der im besten Fall schon mehrere Zeugnisse des Chefs gelesen hat und weiß, wie die Nachverhandlungen und Änderungswünsche aufgenommen werden. Stures Beharren auf eigenen Formulierungen kann kontraproduktiv sein. Besser ist es, sich auf einen Kompromiss zu einigen, über den man sich vorher Gedanken gemacht hat. Es hilft, wenn man die Standards der Formulierungen kennt oder mitbringt und diese auch bewerten kann, wenn der Chef einen Gegenvorschlag macht.Alle, die sich nicht sicher sind, den richtigen Ton getroffen oder alle wichtigen Punkte erwähnt zu haben, können auf Zeugnisse spezialisierte Beratungen anfragen und sich von den Experten helfen lassen. Hilfreich ist es auch, Zeugnisse von Bekannten zu lesen, die ein besonders gutes Praktikum absolviert und dafür auch ein gutes Zeugnis bekommen haben. Daraus kann man dann Formulierungen übernehmen. Passen sollten sie allerdings schon.Lesetipp:
"Arbeitszeugnisse" von Christian Püttjer und Uwe Schnierda, erschienen im Campus Verlag in der Reihe "Bewerben kompakt" (Band 5)

(1.08.2009)
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Dieser Artikel ist erschienen am 20.05.2011

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