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Bewerber ohne Identität

Larissa Haida / wiwo.de
In Deutschland sollen die anonymen Bewerbungen auf allen Ebenen des Unternehmens eingeführt werden. Selbst Führungskräfte bewerben sich dann ohne Angabe von Namen, Geschlecht, Nationalität oder Alter.Andere Unternehmen reagieren zurückhaltendViele Unternehmen in Deutschland haben noch keinerlei Erfahrungen mit dem Thema anonymisierte Bewerbungen gesammelt. Auf Anfrage der WirtschaftsWoche reagieren sie verhalten auf die Pläne von L’Oréal, Procter&Gamble und Bundesfamilienministerium.Der Pharmakonzern Bayer sieht beispielsweise keine Notwendigkeit, anonymisierte Bewerbungen einzuführen. Das Unternehmen verweist auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das Benachteiligungen aufgrund von Migration, Alter oder Geschlecht verhindern soll. Laut diesem Gesetz ist ein Bewerber beispielsweise nicht verpflichtet, den Lebenslauf mit einem Passfoto zu versehen.Auch der Konsumgüterhersteller Henkel hat bisher keine Erfahrungen mit anonymisierten Bewerbungen gesammelt. Lediglich der Umgang mit Bewerbungen aus den Vereinigten Staaten, wo Geburtsdatum und Nationalität schon seit den 1960er Jahren nicht mehr in Bewerbungen auftauchen, ist dem Unternehmen vertraut. „Wir müssen uns natürlich jetzt mit diesem Thema auseinander setzen“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens.Deutschlands größte Airline Lufthansa wickelt alle Bewerbungen über ein Online-Bewerbungssystem ab. Familienstand oder Religion werden in diesem Verfahren nicht abgefragt. Der Konzern hat sich bewusst gegen die anonymisierte Bewerbung entschieden. „Wir sehen für uns keinen Vorteil darin, die Bewerber komplett zu neutralisieren“, sagt ein Konzernsprecher.Das Unternehmen schult die hauseigenen Recruiter explizit auf eine Besten-Auswahl, die subjektive Befindlichkeiten, wie den optischen Eindruck eines Passfotos, ausblendet.Deutliche Kritik an der anonymisierten Bewerbung kam vor wenigen Tagen von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Er sagte in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt": "Ich halte von dieser Idee äußerst wenig. Der Aufwand um neue Stellen zu besetzen, wird wesentlich größer. Allein die Zahl der Gespräche mit Bewerbern, die nach der ersten anonymen Bewerbungsphase folgen müssten, würde steigen."Multikulturelle Unternehmen sind erfolgreicherEine multikulturelle Belegschaft kann gerade für global agierende Unternehmen einen enormen Wettbewerbsvorteil bieten. Ein Forscherteam der Universität Colorado fand erst kürzlich einen Beleg dafür, dass Unternehmen, die eine multikulturelle Belegschaft fördern, wirtschaftlich erfolgreicher sind.Die Wissenschaftler verglichen die Geschäftszahlen der 50 amerikanischen Unternehmen, die sich laut der Organisation „Diversity-Inc“ nachweislich am meisten für innerbetriebliche Vielfalt engagieren. Ihre Gewinnspanne lag im Durchschnitt drei Prozent höher als bei den Wettbewerbern aus der gleichen Branche.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.08.2010
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