Formulierung

Beim Zeugnis muss die Sprache stimmen

Christian Püttjer, Uwe Schnierda
Bei Führungskräften sollten auch das Führungsverhalten und die -leistung bewertet werden. Und auch zum Sozialverhalten sollte es Aussagen geben. Grundsätzlich gilt: Zusätze wie "stets", "immer" oder "jederzeit" werten die Beurteilungen auf. Ohne sie kann ein Leser vermuten, dass das Engagement des Beurteilten nur sporadisch zu erkennen war. Auch vermeintlich positive Hinweise können problematisch werden. Pünktlichkeit ist etwa eine echte Auszeichnung für Auszubildende, im Zeugnis einer Führungskraft hat ein Hinweis darauf dagegen nichts zu suchen, denn er könnte so übersetzt werden: "Hervorzuheben ist seine Pünktlichkeit, und sonst nichts!" Wird das Zeugnis nicht vom Vorgesetzten unterschrieben, könnte man das als weitere Abwertung interpretieren.Damit die Fronten bei der Nachverhandlung des Arbeitszeugnisses nicht unnötig verhärten, sollten Sie die richtige Balance zwischen Hartnäckigkeit und diplomatischem Geschick finden. Wählen Sie den einen Ansprechpartner aus, zu dem Sie eine gute Beziehung haben. Betonen Sie, wie gut Ihnen die letzten Jahre in der Firma gefallen haben und dass Sie gerne engagierte und gute Arbeit geleistet haben. Verweisen Sie dann auf Ihre Änderungswünsche. Dabei macht es sich gut, etwas Verhandlungsbereitschaft zu zeigen, beide Seiten sollten am Ende Ihr Gesicht wahren können. Wenn Sie etwa einige sehr wichtige Änderungsvorschläge für das Zeugnis haben, sollten Sie zwei oder drei Punkte mehr anmerken, damit Sie im Gespräch auch mal nachgeben können.Lassen Sie sich nicht die Chance entgehen, für gute Arbeit auch ein gutes Zeugnis zu bekommen. Setzen Sie sich für Ihre Arbeitszeugnisse ein, schließlich begleiten sie Sie Ihr gesamtes Berufsleben. Christian Püttjer und Uwe Schnierda beraten seit 15 Jahren Einsteiger und Berufserfahrene (www.karriereakademie. de) und sind Autoren zahlreicher Ratgeber zur beruflichen Erfolgs-strategie. In Handelsblatt Junge Karriere geben sie Bewerbern Tipps, und unter www.karriere.de stellen sie Musterbewerbungen zur Verfügung.Was Personaler nervt"Dass Mitarbeiter mit ihrem Zeugnis unzufrieden sind, kommt schon mal vor. Für Gespräche sind wir offen - aber die Bewerber sollten auch klar benennen können, welche Punkte sie konkret stören. Das ist leider nicht immer der Fall. Oft artikulieren sie nur eine allgemeine Unzufriedenheit, da wird eine Verhandlung schwierig. Offen sind wir, wenn es um die Beschreibung der Tätigkeitsbereiche geht - etwa wenn sich Mitarbeiter eine detailliertere Beschreibung wünschen. Die Beurteilung ihrer Leistung ist jedoch unsere Aufgabe. Ein Mitarbeiter hat mal die Fußnote gefordert, dass die Formulierungen nicht der üblichen Zeugnissprache entsprechen, sondern dass sie wortwörtlich zu verstehen seien. Das geht natürlich zu weit." Stefanie Roßdeutsch, Recruiterin bei Roland Berger

(1.02.2009)
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Dieser Artikel ist erschienen am 20.05.2011

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