Bildung

Allgemeinwissen ist Macht

Kirsten Ludowig, Dorothee Fricke
Wer blufft macht Personaler wütendFoto: © Judith Wagner
"Bluffen ist tödlich"
Nichts vertuschen. Berater und Buchautor Andreas Zeuch rät, offen mit Wissenslücken umzugehen und erklärt, warum Nichtwissen zu einer wichtigen Ressource werden kann.
Junge Karriere: Wenn mir eine Frage gestellt wird, auf die ich partout keine Antwort weiß: Wie vermeide ich, dass mein Gesprächspartner sofort merkt, dass ich keine Ahnung habe?
A. Zeuch: Was wollen Sie damit bezwecken? Wenn man seinen Job gut macht, dann muss man doch nicht so tun, als ob man alles weiß. Es ist ein Zeichen von Professionalität, wenn man zugeben kann, dass man etwas nicht weiß und die Grenzen der eigenen Kompetenz kennt.
Also sollte man besser nicht bluffen?
Bluffen ist tödlich. Wenn rauskommt, dass man nur so getan hat, als ob man etwas weiß, und sich dabei um Kopf und Kragen geredet hat, oder nur wissend genickt hat, fliegt das auf. Dann hat man seinen Stempel weg - und das wäre für die Karriere äußerst ungünstig. 
Aber in einem Vorstellungsgespräch kann ich doch nicht einfach mit den Schultern zucken und sagen, dass ich keine Ahnung habe. Wie reagiere ich am besten?
Erst einmal sollten Sie herausfinden, warum man Ihnen die Frage gestellt hat: Geht es darum, ob ich es weiß oder wie ich damit umgehe, wenn ich es nicht weiß? Lassen Sie sich vor allem nicht verunsichern. Niemand lässt Sie durchfallen, weil Sie auf irgendeine Frage die Antwort nicht gewusst haben. Es macht auch keinen Sinn, etwas vorzugaukeln. Das kriegt ein guter Personaler immer mit. Spätestens bei der vertiefenden Nachfrage fällt das auf. Lieber sagt man ganz deutlich: "Das weiß ich jetzt gerade nicht. Es ist aber eine gute Frage." Dadurch deutet man die Frage um und schätzt sie so wert. Natürlich darf einem das nicht bei jeder zweiten Frage passieren.
Und wenn ich gar nicht so genau weiß, worauf mein Gegenüber eigentlich hinaus will?
Dann sind gezielte Rückfragen eine bessere Möglichkeit als wildes Herumraten. Bitten Sie Ihr Gegenüber, die Frage zu präzisieren. "Wie meinen Sie das genau?" - "Was wollen Sie genau wissen?" So spielen Sie den Ball wieder zurück. Das kann dazu dienen, dass am Ende eine Frage herauskommt, die Sie sehr wohl beantworten können. Außerdem haben Sie Zeit gewonnen. 
Warum fällt es uns eigentlich so schwer, Nichtwissen zuzugeben?
Dass es schlecht ist, wenn man etwas nicht weiß, wird uns spätestens in der Schule eingetrichtert. In Tests wird oft erlerntes Faktenwissen abgefragt. Wenn man das nicht draufhat, heißt es: setzen und sechs. Man fühlt sich vor der Klasse bloßgestellt.
Ist es in unserer Wissensgesellschaft denn nicht enorm wichtig, viel zu wissen?
Das Wissen in unserer Welt nimmt rasant zu und damit auch der Umfang dessen, was der Einzelne nicht weiß und auch gar nicht wissen kann. Selbst das Fachwissen aus der Uni ist meist innerhalb weniger Jahre veraltet. Es ist daher unerlässlich, dass man sich ständig weiterbildet - Stichwort lebenslanges Lernen. Aber ich bin überzeugt, dass Menschen und Organisationen, sich auch über ihr Nichtwissen bewusst werden und trotzdem handlungsfähig bleiben müssen, wenn Wissenslücken auftreten. Wer immer erst alles bis ins kleinste Detail recherchiert, ertrinkt zwangsläufig in einer Datenflut.
Brauchen wir also eine neue Kultur im Umgang mit Wissen?
Was wir brauchen, ist eine konstruktive Kultur des Nichtwissens. Wissenskulturen, die das Nichtwissen ignorieren, bevorzugen Antworten - und verschleiern gerne Fehler. In der Medizin etwa werden ärztliche Kunstfehler bisher kaum öffentlich diskutiert. Auf einer anderen Ebene kann Nichtwissen, welches kein Tabu mehr ist, zu einer wichtigen Ressource werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Führungskraft sich auch mal vom Trainee etwas erklären lässt.
Andreas Zeuch arbeitet als Trainer und Berater. 2007 erschien sein Buch "Management von Nichtwissen in Unternehmen". Internet: www.a-zeuch.deHier geht's zum Allgemeinwissenstest
Dieser Artikel ist erschienen am 01.09.2008

Der jobturbo: eine suche - alle jobs

Allgemeinbildung

Recruiting-Termine

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport