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Allzu kreative Jobbezeichnungen verwirren nur.
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"Hecken-Guru", "Daten-Rockstar" und Co

Zu viel des Guten ist auch nicht gut

Kerstin Dämon, wiwo.de
Stellenanzeigen lesen sich oft ziemlich dröge. Brechen Unternehmen Humor und Kreativität übers Knie, bringt es allerdings auch nichts: Wer nach "Pixel wizards" oder "Java-animals" sucht, verwirrt die Bewerber nur.
Sie sind auf Jobsuche und machen irgendwas mit Computern? Campusjäger sucht einen "waterproof Web Wizard" in Start-up (m/w). Oder bewerben Sie sich doch bei der T-Online-Tochter InteractiveMedia CCSP GmbH. Die suchen einen "Mobile Rockstar (m/w). Falls Sie religiös sein sollten, bietet sich eine Stelle bei Adidas an. Der Sportartikelhersteller sucht nach "Senior Devops Evangelist (m/f)". Alles klar?

Die Big Data Jobplattform Jobfeed hat Stellenanzeigen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden analysiert und dabei festgestellt: Statt Entwicklern, Grafikern, Programmierern, Ingenieuren oder Chemikern suchen immer mehr Unternehmern nach Rockstars, Ninjas, Gurus, verschiedenen Tieren oder gleich nach dem "Mädchen für alles". Bei den außergewöhnlichen Jobtiteln gibt es außerdem regionale Vorlieben. So suchen die Briten besonders häufig nach "Stars" und Tieren wie beispielsweise "Code Monkeys", die Franzosen wollen "Robots" und "Stars", die deutschen Betriebe suchen Tiere und "Bosse" und die Österreicher mögen "Gurus" und "Mädchen für alles".

Kreativität sparsam gebrauchen

Am häufigsten werden diese Jobtitel in Großbritannien und Frankreich verwendet und vor allem für IT oder Marketing Jobs. Zugegeben: Mit der klassischen Stellenanzeige "wir suchen flexible, einsatzbereite, engagierte und freudige Mitarbeiter" lockt man niemanden mehr vor dem Ofen hervor. Da muss schon ein bisschen mehr Kreativität her. Schließlich soll der Bewerber beim Lesen denken: Mensch, das ist es, das wollte ich schon immer machen! Leidenschaft wecken ist also angebracht.

Aber: Allzu kreative Jobbezeichnungen verwirren nur. Im schlimmsten Fall kommt sich der Bewerber verschaukelt vor, wenn der gesuchte Landschaftsgärtner als "Hecken-Guru" oder "Rasen-Papst" umschrieben wird. Im schlechtesten Fall finden sich Unternehmen und Bewerber überhaupt nicht, weil Angebot und Nachfrage zumindest sprachlich nicht übereinstimmen. Denn Data Scientist oder Maschinenbauingenieure suchen online in der Regel nach Jobs für Maschinenbauingenieure und Data Scientists - und googeln nicht "Daten-Rockstar" oder "Antriebstechnik-Hengst".


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 07.12.2016
 

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