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Einstellungstest

Wer schlecht schreibt, kriegt keinen Job

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Wer nicht sicher mit Sprache umgehen kann, wird bei Bewerbungsverfahren schnell ausgesiebt. In zwei US-Firmen bekommt niemand einen Job, der durch den Grammatik-Test fällt.

Foto: Gina-Sanders/Fotolia.com

Der Dativ ist dem Job sein Tod

Manche mögen es als Pedanterie abtun – doch der richtige Umgang mit Sprache und Grammatik wird für Unternehmen immer wichtiger. Einige machen davon bereits die Anstellung ihrer Mitarbeiter abhängig. Wie Kyle Wiens in einem Beitrag für das Portal "Harvard Business Manager" berichtet, wird in seinen beiden US-Firmen jeder gnadenlos ausgesiebt, der den obligatorischen Grammatik-Test im Bewerbungsverfahren nicht besteht.

Wiens ist CEO bei der Online-Reparatur-Webseite "iFixit" und Gründer des Software-Unternehmens "Dozuki". Er begründet sein Vorgehen so: "Gute Grammatik ist Glaubwürdigkeit, und das gilt insbesondere im Internet. In Blogs, auf Facebook, in E-Mails oder auf Unternehmens-Webseiten haben Sie nichts außer Ihren Worten. Ihre Sprache ist eine Projektion von Ihnen. Wenn Ihre Texte voller Fehler sind, werden Menschen ihre Schlüsse daraus ziehen." Grammatik-Fehler ließen Menschen einfach "dumm aussehen"

Die besten Jobs von allen


Der bekennende Grammatik-Pedant spricht sich entschieden dafür aus, dass im Test Durchgefallene keine weitere Chance auf den angestrebten Job bekommen – selbst, wenn sie ansonsten dafür qualifiziert sind. Grammatik sei mehr, als auswendig gelernte Schulregeln, so Wiens. Seiner Erfahrung nach würden Menschen, die in den Tests gut abschneiden, auch in Bereichen jenseits der Sprache und des Schreibens weniger Fehler unterlaufen. Sie seien gewissenhafter, detail-orientierter und sorgfältiger.

Spiegelt die Sprache das Arbeitsverhalten?

Und auch, wenn andere Unternehmen noch keine Grammatik-Tests vorschreiben: Schlampige Bewerbungsmappen und Anschreiben voller Fehler sind überall ein Totschlag Kriterium. Das Thema könnte nicht aktueller sein. Denn erst vor knapp einer Woche wurde eine Studie im Auftrag der EU-Kommission bekannt, die Erschreckendes über den Bildungsstand in Europa ans Licht brachte. Jeder fünfte EU-Bürger kann demnach nicht ausreichend lesen und schreiben, um seinen Alltag zu bewältigen. Die Experten bezeichneten diese hohe Prozentzahl als "Alarmsignal" angesichts der in Europa herrschenden Wirtschaftskrise

Nur gut ausgebildete Schulabsolventen können einen Job finden und zum Wachstum der Wirtschaft beitragen. Nach Berechnung der Experten der EU-Kommission zahlt sich die Unterstützung von Schülern direkt aus: Würde der Staat die Grundkompetenz von Schülern im Lesen, Schreiben, in der Mathematik und den Naturwissenschaften besser fördern, könnte das Bruttoinlandsprodukt Europas um mehrere Billionen Euro steigen.

Die Sachverständigen schlugen mehrere Konzepte vor, um Kinder wie Erwachsene zu fördern. Dazu gehören etwa mehr Lehrer, attraktivere Bibliotheken mit digitalen Medien, mehr Aufklärung über Analphabetismus und die Förderung von Kindern mit ausländischen Wurzeln

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 23.10.2012
 

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