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Einmalige Chance

Schreiben Sie Ihr Zeugnis doch selbst!

Felix Ullmann
Ihr Chef ist wieder mal schwer beschäftigt ­ und schlägt Ihnen vor, sich Ihr Zeugnis einfach selbst zu schreiben? Greifen Sie zu. Sie haben die einmalige Chance, Ihre nächsten Bewerbungen gehörig aufzupolieren.
Ein selbst formuliertes Zeugnis ist Eigenwerbung purFoto: © eyewave - Fotolia.com
"Reine Routine", dachte sich Stefan P., als er seine letzten drei Arbeitszeugnisse von einem Karriere-Experten prüfen ließ. Eigentlich war der Elektro-Ingenieur mit seinen Beurteilungen zufrieden ­ schließlich hatte er sie größtenteils selbst verfasst. Ein Freund sagte ihm jedoch, dass Personaler auch zwischen den Zeilen lesen. Da war der 35-Jährige neugierig geworden. Zu seiner Bestürzung offenbarte der Check gleich mehrere Mängel. Besonders der Satz "sein Verhalten war ohne Tadel" fiel dem Zeugnistester auf ­ eine versteckte Kritik, denn war das Verhalten ohne Tadel, war es umgekehrt auch ohne Lob, also unterdurchschnittlich. Pech. Da die Beurteilungen Jahre zurücklagen, ließ sich an den Texten nichts mehr ändern.Dick auftragenDas Zeugnis Marke Eigenbau birgt die einmalige Chance, sich selbst gute Karten für die nächste Bewerbung zu geben. Experten raten sogar, nicht erst zu warten, bis der Vorgesetzte die ungeliebte Pflicht an den Empfänger des Schriftstücks abwälzt. Auf die Frage "Darf ich Ihnen einen Entwurf ausformulieren?" werden acht von zehn Chefs erleichtert nicken. "Sie nehmen der Personalabteilung oder dem Geschäftsführer einiges an Mühe ab. Man wird es Ihnen danken", sagt Online-Karriereberater Gerhard Winkler. Hinzu kommt, dass der Vorgesetzte einem "Sehr gut" im Zeugnis stillschweigend schon zugestimmt hat, wenn er den Mitarbeiter formulieren lässt. Eine Steilvorlage.

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Anne Koschik
ist bei karriere.de Expertin für den Jobmarkt 
  
    »»» Mit einem besonders guten Zeugnis liefert man sich selbst ein Sprungbrett in die neue Traumposition. Diese zu finden, ist aber nicht immer leicht. Zwar hat man gute Karten, um bei den beliebtesten Arbeitgebern – sprich Großunternehmen – anzuklopfen. Aber nicht jeder ist ein Konzerntyp. Um sich einen Überblick über die besten Jobangebote zu verschaffen, sind die JobAgenten ein interessantes Tool, da sie aktuell und auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind. 

Wer sein Zeugnis selbst verfasst, sollte sich die Superlativ-Sprache der Personaler ohne jede Scham aneignen: "Ein sehr gutes Zeugnis wirkt wie eine einzige Übertreibung", sagt Personalmanager Klaus Schiller, Betreiber des Internetportals Arbeitszeugnis.de. Aufwertende Adverbien (stets, sehr, in hohem Maße) und Adjektive (groß, hoch, äußerst) sind wichtig. Nicht jedem fällt die Lobhudelei leicht. Doch Bescheidenheit ist hier fehl am Platz. Nur glaubwürdig muss das Zeugnis sein: Ein Satz wie "er war der beste Außendienstler aller Zeiten" kratzt an der Seriosität des ganzen Dokuments.

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