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Bewerber müssen bewusst Regeln brechen
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Erfolgreiche Bewerbung

Regeln brechen für den Traumjob

Lukas Studer, wiwo.de
Networking, Personal Branding, LinkedIn: Karriereberater lieben Trends aus den USA. Aber wie finden Menschen heute tatsächlich Arbeit? Ein Interview mit der Anthropologin Ilana Gershon.
Frau Gershon, Sie haben für Ihr Buch 165 Personen befragt, die Stellen suchen und Bewerber einstellen oder beraten. Wie hat sich die Jobsuche verändert?

Ilana Gershon: Früher lag die Schwierigkeit darin, von einer freien Stelle überhaupt zu erfahren. Der Soziologe Mark Granovetter fand in den Siebzigerjahren heraus, dass wir viel häufiger über entfernte Kontakte von einer freien Stelle erfahren, statt über Freunde und Familie. Heute ist das ganz anders: Jeder weiß von einer freien Stelle, sobald sie online ist.

Das Problem ist nicht mehr, dass der Bewerber vom Job erfährt, sondern dass das Unternehmen vom Bewerber erfährt. Viel stärker als entfernte Kontakte helfen da persönliche Empfehlungen von ehemaligen Arbeitskollegen. Netzwerkpflege bereitet vielen gerade deshalb Mühe, weil sie solche Kontakte enger pflegen müssen.

Also wen ein Bewerber kennt, wird wichtiger, als was er kann.

Nicht nur wen, sondern auch wie er ihn kennt. Das übliche Bewerbungsverfahren deckt nicht auf, wie ein Mensch ist und was er kann. Stattdessen gießt der Bewerber eine lange Lebensgeschichte in ein kurzes Dokument und gibt verpackte Antworten auf vorhersehbare Fragen. Das sind völlig andere Fähigkeiten, als später bei der Arbeit gefragt sind. Daher sprechen Recruiter oft mit jemandem, der mit dem Bewerber gearbeitet hat. Das sagt ihnen weit mehr als die standardisierten Bewerbungsformen und Interviewfragen.


Zur Person

Ilana Gershon ist Anthropologin an der Indiana University in Bloomington (USA). Um herauszufinden, wie Menschen heute Arbeit finden, führte Gershon 165 Interviews mit Jobsuchenden, Recruitern, HR-Mitarbeitern und Karriereberatern und besuchte 54 Job-Workshops in der Region um San Francisco. Das Forschungsprojekt sei ernüchternd gewesen, sagt sie. Ihr Buch "Down and Out in the New Economy. How People Find (or Don´t Find Work Today)" ist im April erschienen.


Auf manche Stelle melden sich Hunderte Bewerber. Da ist allein die Vorauswahl eine Herausforderung.


Recruiter haben mir erzählt, dass sie sich manchmal pro Bewerbung nur sieben bis zehn Sekunden Zeit nehmen. Einer meinte, er gehe durchs Alphabet, bis er genug geeignete Kandidaten habe, und schmeiße dann den Rest weg. Das nächste Mal startet er dann bei einem anderen Buchstaben.

Wie können Bewerber da dennoch auf sich aufmerksam machen?

Indem sie bewusst Regeln brechen. Ein Bewerber versah seine Bewerbung mit einem Zitat aus Star Wars ("Möge die Macht mit dir sein!") – und kriegte den Job. Der Recruiter hatte schon 20 Bewerbungen durchgesehen und war erschöpft, da brachte ihn das Zitat zum Lachen. Er fand, diese Art von Humor passe gut in sein Team.

Zugegeben: Das Beispiel ist extrem und würde kaum ein zweites Mal funktionieren. Es verdeutlicht aber, wie ein Bewerber durch einen Regelbruch auffallen und etwas über seine Person aussagen kann. Weil viele Bewerbungen sich immer ähnlicher sehen, fallen schon dezente Regelbrüche auf. Das vermindert auch das Risiko, übersehen zu werden oder negativ hervorzustechen.

Was muss ich tun, um heute meinen Traumjob zu finden?

Informieren Sie sich. Reden Sie mit Menschen, die in der angestrebten Firma oder Position arbeiten. Sie müssen herausfinden, wie die Firma neue Mitarbeiter auswählt und wie der Job wirklich ist. Ein erfolgreicher Bewerber kennt die sozialen Abläufe und weiß, was hinter der Bühne geschieht. Dazu stellt er Fragen wie ein Anthropologe.


Die beste Eintrittskarte für Ihren neuen Job!

Eine echte Empfehlung für seriöse Bewerbungsberatung ist der Bewerbungscheck von karriere.de.


Experten raten Jobsuchenden, ihre eigene Marke zu pflegen.

Personal Branding wird heute in Kasachstan, Ägypten und Kambodscha angeboten. Jobsuchende weltweit lernen in Workshops, ihre Persönlichkeit in drei bis vier Worten zu beschreiben. Und sie sollen dann ihre gesamte Onlineaktivität danach ausrichten. Das Ziel: ein klares Profil, das in jedem Kontext gleich rüberkommt. Karriereberater und Jobsuchenden mögen diese Idee. Ich halte es für einen der schlimmsten Business-Exporte aus den USA überhaupt. Mir hat kein einziger Recruiter, mit dem ich gesprochen habe, gesagt, er achte auf die Marke eines Bewerbers.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 31.05.2017
 

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