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Die richtige Bewerbung

Referenzen sammeln für die Karriere

G. Winkler, S. Laick
Lassen Sie sich bescheinigen, dass Sie Ihre Arbeit gut gemacht haben. Empfehlungen und Referenzen können nach einem Job weitere Türen öffnen. Denn die lobende Aussage einer neutralen Person ist in Ihrer Bewerbung Gold wert, meint Bewerbungsberater Gerhard Winkler.
Gute Referenzen helfen bei jeder BewerbungFoto: © Dominik Gwarek, sxcu.hu
Es ist noch keinem gelungen, Karriere zu machen, der darauf verzichtet hätte, seine Leistungsfähigkeit zu kommunizieren. Der Wert und die Glaubwürdigkeit eines Leistungsangebots wollen aber belegt werden. Sammeln Sie deshalb Stimmen, die gut über Sie sprechen, sie sind äußerst wertvoll. Denn für diese Testimonials brauchen Sie Personen. Im Gegensatz dazu sind die Zeugnisse, die man als Bewerber natürlich ebenso vorhält, stets an Unternehmen oder Organisationen gebunden.Wählen Sie neutrale Fürsprecher

Die besten Jobs von allen

Referenzen sind glaubwürdige Dritte. Das Votum eines Fürsprechers zählt dank seines beruflichen oder sozialen Status, aber auch dank seiner Neutralität. Gut gemeint, aber in der Regel nicht zitierbar, sind Statements von Sports- und Vereinsfreunden, Spezis und Verwandten. Jeder Verdacht auf Gefälligkeit, zu große Nähe oder persönliches Interesse schädigt den Ruf des Ausstellers. Die seriöse Referenzperson hat Ihnen etwas beigebracht, Sie geführt oder Sie beauftragt. Zumindest wurden Sie bei Ihrem Tun und Handeln über einen ausreichenden Zeitraum hinweg von ihr beobachtet. Auskunft über Ihre Arbeits- oder Lernleistungen geben deshalb am besten Gewährsleute, für die Sie tätig waren, bei denen Sie gelernt oder für deren Organisation Sie sich zumindest engagiert haben. Natürlich ahnen Rekrutierer meistens nicht, wenn hinter dem Geschäftsführer oder Lehrstuhlinhaber ein guter Onkel oder ein Freund der Familie steckt. In jedem Fall beschreibt und beurteilt der Referenzgeber Ihre Tüchtigkeit, Ihre Lern- oder Arbeitsergebnisse, Ihre persönlichen Qualitäten und Ihr Einzel- oder Gruppenverhalten in nicht allzu pauschalen Wendungen. Unterschätzen Sie nicht die Macht des glaubwürdigen Dritten. Die forsche Selbstaussage: "Ich singe gut" wirkt peinlich. Dagegen beeindruckt eine Aussage wie "Dieses junge Talent weiß vorzüglich zu intonieren", wenn sie ein ehrenvolles Jury-Mitglied macht..Lassen Sie die anderen sprechenReferenzen nennt man auch die lobenden Beurteilungen beziehungsweise Empfehlungen selbst. Wenn Sie als Bewerber im Anschreiben angeben, dass Sie Referenzen beilegen, dann fügen Sie in Ihre Mappe ein oder mehrere Empfehlungsschreiben ein. Oder Sie nehmen die Aussage einer Referenzperson mit ins Anschreiben und legen damit Ihre Stärken einer Gewährsperson in den Mund. Leiten Sie den letzten Absatz im Anschreiben so ein:  "Dirk Lundström, (Telefonnummer), Leiter R&D der Borean Pharma Deutschland GmbH, bestätigt Ihnen gern meine wissenschaftliche Kreativität, meine Team- und Leistungsstärke und meine Einsatzfreude." Gibt es mehrere Personen, die es gut und richtig finden, dass Sie beruflich weiterkommen? In einer gesonderten Liste oder am Ende des Lebenslaufs verzeichnen Sie drei oder mehr Referenzen, bei denen man Auskunft einholen kann. Ein Beispiel: REFERENZEN: Titel, Name, Durchwahl und/oder Mail, Position, Organisation und Rechtsform, Ort.Fassen Sie sich kurzFalls Sie selbst ein Referenzschreiben vortexten, dann beschränken Sie sich auf das, was Ihre Referenz von Ihnen gesehen und mit Ihnen erfahren hat.
1. In welchem (Arbeits-, Lern-)Verhältnis standen Sie als Empfänger des Referenzschreibens zum Aussteller?
2. In welchem zeitlichen Rahmen hatte man miteinander zu tun?
3. Was haben Sie - vom Standpunkt des Referenzgebers aus betrachtet - genau gemacht und geleistet?
4. Welche Erfolge haben Sie erzielt? Was wurde dank Ihres Engagements erreicht?
5. Welche Stärken und Qualitäten haben Sie unter Beweis gestellt?
6. Welche Empfehlung oder Versicherung kann man aussprechen?
Empfehlungsschreiben leben als persönliche Statements von der Ich-Form. Am Ende des Schreibens sollte immer eine Einschätzung oder eine Gesamtwürdigung stehen sowie eine Prognose. Sicher gibt es Referenzschreiben, die eine Briefseite überschreiten. Außerhalb des akademischen Umfelds wirken umfangreichere Empfehlungen jedoch nur, wenn sie auch ein Mehr an Taten und Handlungen verzeichnen.
Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite www.jova-nova.comWas Personaler nervt"Nicht einmal ein Viertel der Bewerber nennt Referenzen, aber die Anzahl steigt. 2006 haben wir rund 41.000 Bewerbungen erhalten, 1.500 Kandidaten wurden zum Interview eingeladen, über 300 neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Ich erwarte auch keine Referenzen. Wenn ich etwas über einen Kandidaten wissen will, frage ich nach Menschen, die wir anrufen können. Im anglo-amerikanischen Raum gehören Referenzen dagegen zum Standard. Ehemalige Arbeitskollegen, die auf einer Hierarchiestufe mit dem Bewerber stehen, sind für uns keine Referenzgeber: Da kann man keine objektive Beurteilung erwarten. Manche Bewerber versäumen es, die Personen, die sie als Referenzen nennen, darüber zu informieren. Meist sagen diese Referenzen dann - schon aus Datenschutz - nichts über den Kandidaten, wenn man sie anruft. Ich habe selten negative Auskünfte bekommen, auch wenn manche Referenzgeber zurückhaltend sind. Schließlich steht auch der eigene Name auf dem Spiel."Steffen Laick, Director EMEA University Recruiting, SAPNur Mut: Initiative ergreifen bei der BewerbungBitte lächeln: Professionelle Fotos für den LebenslaufDichter packen: Klare Strukturen im Lebenslauf
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2007

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