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Erfahrungsberichte

Peinliche Situationen im Vorstellungsgespräch

karriere.de
Selbst wenn die fachliche Qualifikation top ist, droht im Bewerbungsgespräch so manches Malheur. Fünf Leser der Junge Karriere berichten von Kaffeeflecken, tanzenden Handys und peinlichen Verwechslungen.
Manchmal läuft einfach alles schiefFoto: © Leo Leowald
Kaffeefleck auf dem Hemd
Auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch hatte ich im Auto einen Kaffee getrunken und das Unglück passierte. Ich war bereits vorher aufgeregt, mit dem Fleck auf dem Hemd aber war es kaum noch auszuhalten. Ich war kurz davor, den Termin abzusagen. Da ich jedoch fast am Ziel war und eine 500 Kilometer lange Anfahrt hatte, bin ich trotzdem reingegangen. Bei der Begrüßung wurde ich prompt auf den Fleck angesprochen und ich schilderte kurz mit ein bisschen Witz, wie es passiert war. Der Personalchef schmunzelte, schob seine Krawatte zur Seite, unter der ein Kaffeefleck zum Vorschein kam, und sagte: „Tja, wie Sie sehen, passiert so was auch den Besten.“ Jedem kann ein solches Malheur passieren. Am besten man nimmt es mit etwas Selbstironie und Humor, dann ist es gar nicht so tragisch. Allerdings habe ich jetzt im Büro immer ein frisches Hemd als Backup. 
Timo Landwermann
Vorsicht bei Vergleichen
Ich wurde zum Assessment-Center des Kristallglasherstellers Swarovski in Österreich eingeladen. Beim Buffet gab es einen Plausch mit Führungskräften von Swarovski. Einer dieser Abteilungsleiter fragte mich nach meinen Hobbys, und ich antwortete sehr durchdacht: „Ich bin ein begeisterter Fußballspieler und spiele in einem Amateurteam, ich fahre gerne Ski und Snowboard, und im Sommer verbringe ich viel Zeit in den Bergen mit Klettern und Wandern.“ Bis dahin lief alles super, dachte ich, denn ich hatte mit meinen Hobbys einerseits Teamfähigkeit, aber auch Ehrgeiz und Leistungswillen gezeigt. Dann aber sagte ich: „Das Einzige, was ich nicht mag, sind Aktivitäten, die für mich gar nicht als Sport zählen – etwa Schach. Schach ist doch nur für Leute, die sich gerne alleine in einen dunklen Raum sperren und den Abend mit dem Computer verbringen.“ Das Schmunzeln im Gesicht der Führungskraft verflog sehr schnell und er sagte mir: „Interessant. Sie haben es vielleicht nicht gewusst, aber ich bin Schachlandesmeister inTirol und spiele sogar in der österreichischen Schachbundesliga.“ Ich war geschockt, wurde rot im Gesicht und wusste nicht mehr, was ich sagen sollte. Danach dachte ich, dass ich eigentlich keine Chance mehr habe. Aber ausgerechnet der Abteilungsleiter, vor dem ich mich so blamiert hatte, wählte mich später aus. Entweder hat ihn meine Ehrlichkeit überzeugt, oder es ist wichtig aufzufallen, egal ob positiv oder negativ. Danach habe ich zweieinhalb tolle Jahre bei Swarovski verbracht. 
Florian Bauer

Die besten Jobs von allen

Handy-Alarm auf dem Tisch
Ich wurde zu einem Gruppenvorstellungsgespräch eingeladen. Mein Handy legte ich auf den Tisch, da die gute Anzughose nicht ausgebeult werden sollte. Als eine Mitbewerberin mitten in ihrer Selbstdarstellung war, wurde sie von meinem Handy unterbrochen, das vibrierend über den Tisch tanzte. So schnell hab ich mein Handy noch nie gegriffen. Mein Tipp: Handy aus! 
Richard Lustig
Nicht vorschnell duzen
Ich habe mich für einen Ausbildungsplatz zu einem dualen Studium bei einem Mannheimer Unternehmen beworben. Nach ein paar Gruppenaufgaben wurden wir zu einem Gespräch mit der Personalchefin geführt. Eine junge Frau, die sich mir bis dahin nicht vorgestellt hatte, begleitete mich. Ich dachte, sie sei eine Hochschulstudentin, habe mit ihr etwas Smalltalk gehalten, sie geduzt und gefragt, wie ihr die Ausbildung gefällt. Daraufhin antwortete sie patzig, dass sie schon länger mit dem Studium fertig sei und in der Personalabteilung arbeite. Genommen wurde ich bei dem Unternehmen leider nicht. Egal, mit wem man bei einem solchen Termin spricht, am besten man siezt zunächst jeden. 
Lisa K.
Peinliche Verwechslung
Ich bekam ein Vorstellungsgespräch bei einem Hamburger Verlag. Im Büro des Personalleiters saß ein weiterer Mann. Er stellte sich vor und erklärte, er leite die Abteilung, in der ich arbeiten würde, sofern „wir uns einig werden“. Plausibler Grund. Eigentlich. Nicht plausibel aber war die Bezeichnung der Abteilung, die er leitet: Telemarketing. Ich wollte doch in die Online-Redaktion. Wird sich aufklären, beruhigte ich mich und verkniff mir die Nachfrage. Dann aber schnappte ich diese Wörter auf: Abonnentenservice, Gewinnung von Neuabonnenten. Mir wurde bewusst, was passiert war. Nachdem ich meine Vermutung laut äußerte, sprang der Personalleiter mit rotem Kopf auf. Es gab einen Fehler bei der Zuordnung meiner Bewerbung. Nach vielen Entschuldigungen der Herren stand ich wieder im Aufzug. 
Hanane Ghallab
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Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2009
 

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