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Viele Lehrstellen
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Freie Ausbildungsplätze

Noch Tausende Stellen zu besetzen

Kerstin Dämon, dpa, wiwo.de
Im Oktober startet das neue Ausbildungsjahr. Noch sind 172.000 Lehrstellen unbesetzt. Laut DGB liegt das an der schlechten Bezahlung. Doch auch bei beliebten, gut bezahlten Berufen gibt es Tausende offene Stellen.
Grundsätzlich hat eine Medaille ja immer zwei Seiten, so auch die Situation auf dem aktuellen Ausbildungsmarkt. So kann man sagen, dass den Unternehmen ab Oktober 172.224 Lehrlinge fehlen werden.

Das ist – gemäß einer Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) – genau die Zahl der Ausbildungsstellen, die noch unbesetzt sind. Auf der anderen Seite haben Jugendliche und junge Erwachsene, die eine duale Ausbildung beginnen wollen, auch kurz vor knapp noch die freie Lehrstellenwahl.

"Jugendliche Lehrstellenbewerber haben in diesem Jahr allerbeste Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden", sagt auch DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Den Unternehmen gehen die Bewerber aus

Für die Unternehmen ist die Situation natürlich problematisch, wie Schweizer sagt. Laut der jüngsten DIHK-Ausbildungsumfrage würden mittlerweile in fast jedem dritten Ausbildungsbetrieb Lehrstellen unbesetzt bleiben. "Rund 14.000 haben überhaupt keine Bewerber mehr." Der Trend zum Studium und die sinkende Zahl an Schulabgängern schlügen hier durch.

So hätten 2015 rund 150.000 junge Leute mehr ein Studium begonnen als 2005. In dieser Zeit sei zugleich die Zahl der Lehrstellenbewerber um etwa 190.000 gesunken – das sei ein Minus von 25 Prozent.

"Viele junge Leute sind sich nicht im Klaren darüber, dass die Gefahr von Arbeitslosigkeit bei einer Kombination von betrieblicher Aus- und Weiterbildung geringer ist als bei Akademikern", sagte Schweitzer. "Und häufig verdient eine Fachkraft keineswegs schlechter als jemand, der eine Hochschule besucht hat."

Branchen, die schlecht zahlen

In der Ausbildung sieht es dagegen mit der Bezahlung nicht so rosig aus. Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist die Sache deshalb klar: "Vor allem Branchen, die darüber klagen, keine Azubis zu finden, zahlen schlecht", heißt es bei der DGB-Jugend.

"Das klassische Negativbeispiel ist ein Friseur-Azubi in Ostdeutschland, der 269 Euro bekommt. Das ist skandalös", sagt Anna Gerhardt, politische Referentin der DGB-Jugend. Entsprechend beklagt das Friseurhandwerk auch 4300 offene Lehrstellen.

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