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Bewerbungsgespräch

Mit dem Personaler an der Strippe

Teil 2: Call me maybe?

Wie in jedem anderen Bewerbungsgespräch auch, kommt es aber nicht nur aufs Fachliche, sondern auch auf die Sympathie an. Am Telefon ist das schwierig. "Man kann niemanden lediglich aufgrund eines Telefoninterviews einstellen. Doch man bekommt einen ersten Eindruck, ob sich eine Einladung zum persönlichen Gespräch lohnt", sagt Patrick Meschenmoser, Sprecher der Lufthansa. Deutschlands größtes Luftverkehrsunternehmen setzt zur Vorauswahl auf Online-Testverfahren mit anschließendem Telefoninterview, um den gut 100.000 Bewerbungen pro Jahr gerecht zu werden.Von 100 Bewerbern zum Flugbegleiter bekommen rund 30 die Einladung zum Telefonat, anschließend werden 20 zum persönlichen Gespräch eingeladen. Für ein so großes Unternehmen wie Lufthansa liegt der Vorteil von kostengünstigen Telefoninterviews vor allem darin, die erste Auswahlstufe gröber halten zu können. Dies kommt auch den Jobanwärtern zu Gute. So haben mehr Bewerber die Chance am Telefon zu überzeugen, als wenn nach dem Online-Test sofort das persönliche Gespräch anstehen würde.Wie tief die Fragen gehen, hängt bei der Lufthansa ganz von der ausgeschriebenen Stelle und der Anzahl der Bewerber ab. "Psychologen und psychologisch geschulte Mitarbeiter führen mit den zukünftigen Flugbegleitern ein relativ schematisches Telefongespräch. Bei Ingenieuren hingegen sind die Inhalte individueller abgestimmt", sagt Meschenmoser.

Die besten Jobs von allen

Der Wirtschaftspsychologe Heinrich Wottawa, Professor an der Ruhr-Universität Bochum, weist allerdings darauf hin, dass längst nicht immer die Entscheider auf Unternehmensseite am Hörer sitzen. Bei Masseneinstellungen können es auch Call-Center-Mitarbeiter sein. Sie sollen prüfen, ob die Angaben in den Bewerbungsunterlagen mit der Realität übereinstimmen. Mit unangekündigten Telefoninterviews müssen Bewerber jedoch selten rechnen. "Ein anständiges Unternehmen macht einen festen Termin aus und meldet sich dann zurück", sagt Wottawa. Dann gibt es auch keine Ausrede für eine schlechte Vorbereitung.(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)
Dieser Artikel ist erschienen am 25.11.2010
 

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