Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Bewerbungsgespräch

Mit dem Personaler an der Strippe

Carolin Fromm/Zeit.de
Keine Sorgen wegen des richtigen Outfits, keine teure Anreise: Bewerber und Unternehmen schätzen das Telefoninterview. Deshalb wird es inzwischen häufig im Bewerbungsverfahren eingesetzt. Das spart Kosten, bringt aber nicht nur Vorteile.
Telefoninterview: Mit Notizen läuft's deutlich entspannter.Foto: © Monkey Business - Fotolia.com
Malte Griesbach hat einen neuen Job. Seit kurzem ist der 30-Jährige aus Kiel Junior Product Manager beim Pharmakonzern Merz in Frankfurt. Zuvor musste er in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren überzeugen – am Telefon. Für Griesbach ein dankbarer Auswahlschritt: "Es gibt nichts Einfacheres als ein Telefoninterview", sagt er.Das Telefoninterview als Recruiting-Instrument wird verstärkt eingesetzt, sagt Rolf Lange, Sprecher für den Bereich Personal beim Hautpflegeunternehmen Beiersdorf in Hamburg. Der Konzern setzt das Telefonat mit dem Bewerber seit etwa zwei Jahren systematisch ein – nach einem Onlinetest und vor einem Assessment Center. "Da unser Unternehmen internationaler und somit unsere Mitarbeiter vielfältiger geworden sind, hat das Telefoninterview an Bedeutung gewonnen. Man erspart jemandem eine lange und teure Anreise", sagt Lange.

Die besten Jobs von allen

Matteo Carli ist froh darüber, nicht bei jedem Vorstellungsgespräch persönlich vor Ort sein zu müssen. Der 28-jährige Italiener studierte internationales Handel und Finanzmanagement und sucht nach einem Arbeitgeber in Europa – von Sydney aus. Carli hat ein halbes Dutzend Telefoninterviews hinter sich.Aber er sieht auch Nachteile. Gerade befragte ihn die Verkaufsspezialistin eines großen Internethandels auf Englisch zu seinen bisherigen Erfahrungen. "Leider bezweifle ich, dass sie mich richtig verstand, denn ihr Englisch war alles andere als gut", erzählt Carli. Die Mitarbeiterin habe ihm auch nicht alle Fragen beantworten können und wusste beispielsweise nicht, ob das Unternehmen ihn bei einem Umzug für den Job unterstützen würde. "Man lernt eine Menge über ein Unternehmen und merkt während des Telefonats vielleicht sogar, dass man dort gar nicht so gut reinpasst", sagt Carli.Eine gute Vorbereitung ist auch am Telefon wichtigWichtig ist auch am Hörer, gut vorbereitet zu sein. Das gilt für beide Seiten. Malte Griesbach beispielsweise formulierte Antworten auf Standardfragen vor und flocht Bezugspunkte zur Stellenausschreibung ein. Außerdem hatte er stets seinen Lebenslauf vor sich liegen. So war es auch, als die Personalabteilung seines jetzigen Arbeitgebers bei ihm anrief und auf Englisch und Spanisch den roten Faden seines Lebenslaufes erklärt haben wollte.
 

Karriere | Service

Gehälter