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Kontakte knüpfen

Ich-Marketing auf Jobmessen

Bettina Blaß
Nirgends lassen sich so schnell so viele Kontakte knüpfen wie auf Bewerbermessen. Wer einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen will, muss auf die Feinheiten achten. Außerdem: Nach der Messe geht die Arbeit erst richtig los. Was Sie jetzt tun sollten.
Auf Jobmessen gilt: Sich optisch dem Personalchef anpassenFoto: © Rupert Tacke
Christian Steinmetz hatte sich gut auf seinen Besuch der Jobmesse Talents in München vorbereitet. Etwa zehn Stunden lang hat der Wirtschaftsingenieur mit dem Schwerpunkt Energietechnik zu den Firmen, die er treffen wollte, Profilblätter angelegt: Wie viele Mitarbeiter? Welche Branche? Welche Produkte und Tätigkeitsschwerpunkte? Zusätzlich hat er die Nachrichten zu den Unternehmen recherchiert, einen Fragebogen fürs Gespräch entworfen und Mappen vorbereitet mit Kurzprofil und langem Lebenslauf sowie allen nötigen Dokumenten. Moritz Meltzer, der sein Duales Studium in Betriebswirtschaftslehre im Oktober beendet, hatte sich zwar auch die Profile der Unternehmen und vor allem deren Firmenphilosophie angeschaut, aber er hatte sonst nichts weiter vorbereitet für den Besuch von zwei anderen Bewerbermessen.Fazit von beiden: Die Atmosphäre auf diesen Messen ist prima, sie konnten viele spannende Kontakte knüpfen. Meltzer steigt trotzdem nach seinem Studium bei IBM ein, dem Unternehmen, bei dem er auch die Praxiseinheiten des Dualen Studiums absolviert hat. Und Steinmetz hatte bisher zwei weitere Vorstellungsgespräche nach der Talents. Ergebnis: Zwei Zusagen für ein weiterführendes Gespräch. Sich auf die ausstellenden Unternehmen vorzubereiten, ist auf jeden Fall der erste und richtige Schritt, um auf der Messe Erfolg zu haben. Wer wie Moritz Meltzer nur seinen Marktwert testen will, kann es dabei belassen.

Die besten Jobs von allen

Lebenslauf plus Visitenkarte parat haltenGeht es darum, einen Job zu bekommen, ist Steinmetz'  Weg der richtige. Gerhard Winkler, Bewerbungsberater: "Eine vollständige Mappe ohne Deckblatt, ohne Motivationsschreiben oder Seite 3 ist sinnvoll. Man sollte aber auch einen kurzen Lebenslauf plus Visitenkarte parat halten." Die Unternehmen würden auf den Messen mit Hochglanzpapier zugemüllt, so Winkler. Darum sei so wenig wie möglich aber so viel wie nötig eine gute Wahl. "Und gerade für die spontanen Treffen ist die Kurzvariante ausreichend." Damit ist jedoch noch nicht alles getan in Sachen Eigen-Marketing. Schließlich entscheidet ganz Wesentlich das Äußere darüber, wie ein Bewerber ankommt. Logisch: Business Look ist angesagt. "Es ist von Vorteil, eine Messe zu besuchen, bevor das Studium dem Ende zugeht", rät Winkler.Denn dann bekommt man ein Gefühl dafür, wie man aussehen sollte. "An den Ständen der Unternehmen stehen die Prototypen der Bewerber", weiß der Bewerbungsberater. Um mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren zu können, sollte man sich optisch anpassen. Das betrifft die Kleidung genau so wie Frisur, Accessoires oder Schminke. Eine sinnvolle Investition sind außerdem hochwertige Visitenkarten. "Am Liebsten dickes Papier und Prägedruck", hat Winkler beobachtet. Die Karten von Bewerbern sehen allerdings nicht so aus, wie diejenigen derer, die bereits im Job sind. "Vielmehr sollte darauf das Gesicht des Bewerbers abgebildet sein und neben den Kontaktdaten auch das Studienfach sowie ein Werbeclaim zur eigenen Person - beispielsweise "Fachkräftemangel? Nicht mit mir!". Außerdem können die drei Hauptargumente auf der Karte vermerkt werden.Das sind zum Beispiel Auslandserfahrung, Chinesisch-Kenntnisse und Teamerfahrung. "Man verdichtet dadurch seinen Lebenslauf auf wenige Punkte. Und bringt sich in Zusammenhang mit dem Foto wieder in Erinnerung", so Winklers Rat. Völlig überflüssig seien dagegen Flyer: "Sie sind eher Beschäftigungstherapie denn Marketinginstrument", bringt es Gerhard Winkler auf den Punkt. Schließlich stehe das Wesentliche sowieso in den Bewerbungsunterlagen. Bleibt die Frage: Wie bringt man diese Unterlagen an den Mann? Ohne feste Termine müssen die Teilnehmer mit langen Warteschlangen rechnen. Darum ist es gut, sich im Vorfeld um ein Gespräch zu bemühen. Vorteil bei Zwei-Tagesmessen: "Man kann am ersten Tag noch Termine für den nächsten ausmachen", sagt Bewerber Christian Steinmetz. Er spricht aus Erfahrung. Und diese Spontaneität kann manchmal Gold Wert sein. So traf Steinmetz bei einem zufälligen Gespräch auf einen Personaler, der zunächst etwas verhalten war. Doch als er von Steinmetz' Studienschwerpunkt hörte, wurde er immer hellhöriger und bat ihn schließlich nach einem langen und ausführlichen Gespräch um seine Unterlagen und Kontaktdaten.

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