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Harmonietest im Internet

Frederic Spohr
Per Online-Fragebogen können Arbeitgeber und Job-Interessenten schon vor einer Bewerbung prüfen, ob sie zueinander passen.
Der Weg zum eigenen Ich ist lang, der Weg zum passenden Arbeitgeber noch länger. Online will der Gesundheitskonzern Fresenius Bewerbern neuerdings bei beiden Aufgaben helfen. Hoffnung der Personalmanager: Vielleicht zeigt sich am Ende der Prozedur, dass Fresenius das perfekte Unternehmen für den Kandidaten ist.

Nachdem Personalvorstand Jürgen Götz die Webseiten-Besucher begrüßt hat, sollen die Interessenten einen Test mit 50 Fragen zu ihrer Persönlichkeit beantworten. Wie genau halten sie Deadlines ein, und welche Art von Führung wünschen sie sich?

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Direkt im Anschluss erscheint die Auswertung auf der Seite. Das Feedback zeigt, ob der Kandidat zur Unternehmenskultur passt und ob sich eine Bewerbung lohnen würde.

Höherer Anteil motivierter Bewerber

Auch andere Unternehmen prüfen online bereits vorab die Harmonie zwischen potenziellen Mitarbeitern und Firma. Agenturen wie Cyquest, die solche Tests konzipieren, versprechen den Unternehmen so mehr Aufmerksamkeit auf dem Jobmarkt und einen höheren Anteil an motivierten Bewerbern.

Doch auch für die Jobsuchenden lohne sich das Klicken, sagt Heike Cohausz, Karriereexpertin von P4 Career Consultants. "Wenn eine Firma ein Selfassessment anbietet, sollte man diese Möglichkeit auf jeden Fall wahrnehmen", sagt sie. "In der Regel vermitteln die Angebote einen guten Eindruck von der Unternehmenskultur und den Aufgaben."

Nicht nur für Einsteiger

Oft richten sich die Tests an Hochschulabsolventen und junge Berufstätige. Doch manche Angebote, wie das von Fresenius, zielen eher auf eine erfahrenere Klientel. Diese Verfahren sind weniger verspielt und fragen konkret die Vorlieben und Erwartungen ab.

Auch die Haniel-Stiftung versucht so zu ermitteln, ob potenzielle Bewerber betriebswirtschaftliche Strategien teilen oder ob sie bereit wären, kurzfristig ins Ausland zu ziehen.

Die Firmen nehmen die aufwendigen Tests ernst: Bewerber sollten sich Zeit beim Ausfüllen nehmen – und ehrlich antworten. Nicht nur weil sich die Kandidaten ansonsten selbst belügen und vielleicht einen Job annehmen würden, der ihnen eigentlich missfällt. Die Firmen ließen sich auch nicht so leicht austricksen

Glamourösen Selbstdarstellungen

"Schummeleien fliegen in der Regel auf. Die Fragen sind konzipiert, um Widersprüche aufzudecken", sagt Cohausz. Firmen machen sich per Netzauskunft bereits ein recht konkretes Bild von Kandidaten. Bei manchen Angeboten sind Name und Adresse anzugeben. Bewerber müssen damit rechnen, bei einem späteren Vorstellungsgespräch mit ihren Antworten konfrontiert zu werden.

Aber auch die Jobsuchenden sollten kritisch sein und nicht blind auf die mitunter glamouröse Selbstdarstellung eines Unternehmens vertrauen, sondern Firmenangaben auf Plausibilität prüfen, rät Cohausz. Im Zweifel empfehlen sich weitere Recherchen. Auch dabei hilft das Web.

Man könnte etwa per Karrierenetzwerk Xing Bekannte suchen, die in engerem Kontakt mit dem möglichen Arbeitgeber stehen – und dann doch ganz altmodisch zum Telefonhörer greifen, um Details zu erfragen

Dieser Artikel ist erschienen am 13.12.2012

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