Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Das Vorstellungsgespräch entspannt angehen
Foto: tatoman / Fotolia.com
Vorstellungsgespräch

Gemeinsamer Tanz in den Job

Teil 2: Mit Lücken im Lebenslauf richtig umgehen

Auch von Kyaw achtet bei Souveränität nicht nur auf Körperhaltung: "Um souverän zu wirken, ist die Vorbereitung wichtig. Gute Selbstreflexion und eine vernünftige Selbsteinschätzung gehören dazu." Dazu gehöre auch, sich klar zu machen, was man sich von dem Unternehmen und der konkreten Position erhofft. Um sich nicht selbst zu loben, sei es hilfreich, andere Menschen in Bezug auf sich zu zitieren. Aber auch kleine Fauxpas seien kein Drama: "Ich persönlich sehe darüber hinweg, wenn jemand anfangs aufgeregt ist. Das ist doch nur natürlich", sagt von Kyaw. Denn nicht nur Souveränität, auch die persönliche Note, Menschlichkeit und Enthusiasmus seien wichtige Einstellungskriterien: "Es ist okay, Humor zu zeigen und gemeinsam zu lachen, wenn eine Kaffeetasse umfällt."

4. Ehrlichkeit bei Lücken im Lebenslauf

Lücken im Lebenslauf sollten Bewerber nicht vertuschen oder schönen, sondern lieber schlüssig erklären. Man sollte gleichzeitig keine Eigenschaften angeben, die man später im Job nicht vorweisen kann. Lügen seien "ein Kartenhaus, das schnell zusammenfallen kann."

"Man muss grundsätzlich nicht alles erzählen", sagt Hesse. Ehrlichkeit sei so eine Sache: die eine Hälfte der Personaler würde sie honorieren, die andere nicht. "Ein Bewerbungsgespräch ist ein bisschen wie ein Rendezvous, man wirbt für sich. Da zählt man nicht schon am Anfang seine Schwächen auf." Grundsätzlich müsse man abwägen, wie offen und ehrlich man über seine Probleme redet. "Kein Personaler glaubt einem, dass man der Tollste und Beste ist", sagt Hesse. "Da muss man ja nicht nochmal extra die Schwächen aufzählen."

"Der Bewerber muss sich darüber im Klaren sein, dass er mit dem Unternehmen eine Beziehung eingeht", sagt von Kyaw. Die Frage sei, ob er wolle, dass die Beziehung von Anfang an auf Lügen basiere. Von Kyaw würde zur Gradlinigkeit raten. Lücken im Lebenslauf seien zunehmend Normalität, der Bewerber sollte dann eher versuchen hervorzuheben, wie er damit umgegangen ist. Grundsätzlich sollte der Bewerber natürlich versuchen, die Dinge in den Vordergrund zu rücken, die für ihn sprechen.

5. Handy im Vorstellungsgespräch

Ein Vibrationsalarm oder lautes Handyklingeln während des wichtigen Termins seien kein Kavaliersdelikt, warnt die Jobsuchmaschine – und ans klingelnde Handy ranzugehen erst recht nicht. Man suggeriere dem Personalchef damit, dass man ihn nicht wirklich respektiere. "In der Regel kann man die Stelle, für die man sich beworben hat, nach einem solchen Auftritt im Vorstellungsgespräch abschreiben." Hesse stimmt zu: "Sobald ich die Firma betrete, mache ich das Handy aus."

Für von Kyaw dagegen ist ein klingelndes Handy kein Ausschlusskriterium, wenn der Rest stimmt: "Grundsätzlich dient ein Vorstellungsgespräch dazu, sich bewusst füreinander Zeit zu nehmen, dabei stört ein Handy. Wenn es doch klingelt, einfach ausmachen und kurz entschuldigen." Deutschland sei in dieser Hinsicht noch etwas konservativ: "In anderen Ländern liegen die Handys in Besprechungen immer auf dem Tisch."

Expertentipp: Gelassen bleiben

Grundsätzlich raten die Bewerbungsexperten, das Gespräch entspannt anzugehen. Das Allerwichtigste sei die gute Vorbereitung: "Vieles ist ganz einfach, wenn man es mal richtig durchdenkt", sagt Hesse. Es gehöre dazu, bei einem Vorstellungsgespräch nervös zu sein, das wüssten die Personaler auch. Auch von Kyaw rät dem Bewerber, gelassen zu bleiben: "Der Arbeitsmarkt wird immer offener und die Rollen verändern sich." Ein Arbeitsverhältnis sei wie ein Tanz, den man nur zusammen gut tanzen könne. Das sei auch den Unternehmen klar.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 27.09.2017
 

Karriere | Service

Gehälter