Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Mehr Transparenz ins Gehaltsgefüge
Foto: Syda Productions/Fotolia.com
Bewerberprobleme

Gehältereinsicht bleibt schwierig

Teil 3: Transparenz contra Mitarbeiterdatenschutz

Trotzdem: An der unternehmerischen Geheimniskrämerei stören sich mittlerweile nicht mehr nur die Bewerber, auch die Politik hat die Nase voll – allerdings aus anderen Gründen. So fordert Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) die Gehaltstransparenz, weil sie möchte, dass Frauen wissen, was die männlichen Kollegen am Schreibtisch nebenan verdienen, damit sie in Gehaltsverhandlungen selbstbewusster auftreten – und letztlich genauso viel verdienen werden wie Männer.

Deshalb treibt Schwesig das in der Wirtschaft reichlich umstrittene Entgeltgleichheitsgesetz voran. 

Haussmann hält von Schwesigs Plänen nicht viel. Er sagt: "Frau Schwesigs Entgeltgleichheitsgesetz wird schon deshalb nichts ändern, weil – nach allem, was man darüber weiß – die Angabe eines Minimumgehalts in Stellenausschreibungen dort gar nicht vorgesehen ist. Im Entgeltgleichheitsgesetz geht es um die Nachweispflicht der Unternehmen, dass bei den vorhandenen Mitarbeitern auf vergleichbaren Positionen Männer und Frauen nicht ungleich vergütet werden."

Unwirksame Geheimhaltungsklauseln

So sieht der Gesetzesentwurf beispielsweise vor, dass Arbeitnehmer einen Auskunftsanspruch haben, was vergleichbare Kollegen verdienen. Wenn Frau Schmid dann feststellt, dass sie jahrelang weniger verdient hat als Herr Müller, der die gleiche Arbeit macht, hat sie einen Nachzahlungsanspruch rückwirkend für die letzten drei Jahre. Außerdem sollen Geheimhaltungsklauseln, die das Gehalt betreffen, unwirksam werden.

Aber: "Es wird nicht möglich sein, das Gehalt des Kollegen einzeln zu erfragen, aber es wird möglich sein zu prüfen, ob die eigene Einstufung in einer vergleichbaren Gruppe erfolgt ist", erklärte Schwesig. Die Auskunft lautet also: "Mitarbeiter mit ähnlichen Kenntnissen, Berufserfahrung und Verantwortungsbereichen wie Herr Müller bekommen bei uns im Durchschnitt 3.600 Euro brutto pro Monat." Eventuelle Boni, der Dienstwagen, das Weihnachtsgeld und was sonst noch hinzu kommt, fällt unter den Mitarbeiterdatenschutz.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.07.2016
 

Karriere | Service

Gehälter