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Mehr Transparenz ins Gehaltsgefüge
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Bewerberprobleme

Gehältereinsicht bleibt schwierig

Kerstin Dämon, wiwo.de
In Deutschland ist das Thema Gehalt tabu: Bewerber erfahren nicht, was ihre Arbeit wert ist. Wir haben nachgefragt, warum das so ist. Die Antwort: Wären Unternehmen ehrlich, würde sich niemand bei ihnen bewerben.
Das Gehalt ist der Deutschen liebstes Streit- und Neidthema, nicht nur wenn es um exorbitante Managerboni geht. Das beginnt schon beim Berufseinstieg.

Während Fluglotsen nach ihrer Ausbildung über 60.000 Euro im Jahr verdienen, bekommen Friseure, Kosmetiker und Kellner dagegen kaum mehr als der gesetzliche Mindestlohn vorsieht, wie eine Analyse der Vergleichsplattform Gehalt.de zeigt.

Wer mit seinen Bezügen unzufrieden ist, sollte zunächst mit seinem Vorgesetzten sprechen. Wenn der aber partout das Gehalt nicht erhöhen möchte, gibt es nur zwei Möglichkeiten: hinnehmen oder gehen. Letzteres hat in der Regel tatsächlich positive Auswirkungen auf das Einkommen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Online-Stellenbörse Jobware bekommen gut 56 Prozent der Jobwechsler bei ihrem neuen Arbeitgeber mehr Geld als im alten Job. Zehn bis 15 Prozent mehr sind bei einem Wechsel durchaus möglich.

Frustration im Bewerbungsgespräch

Aber: Bevor Wechselwillige den Job mit der Gehaltserhöhung gefunden haben, müssen sie in der Regel einige Vorstellungsgespräche absolvieren. Denn in Deutschland ist es – anders als im angelsächsischen Raum – nicht üblich, das Gehalt in der Stellenanzeige anzugeben. In Schweden sind sogar die Steuerbescheide eines jeden Bürgers – Königin inklusive – einsehbar, in Österreich müssen Betriebe ab 150 Beschäftigte ihre Gehaltsstruktur offen legen. Hierzulande gilt: Über Geld spricht man nicht.

Wer sich bewirbt, weiß also nicht, wie viel ein Unternehmen zu zahlen bereit ist, bis er im Vorstellungsgespräch die entscheidende Fragen stellt oder gestellt bekommt. Das kann frustrieren. "Selbst auf Nachfrage erhält man keine Auskunft aus der Personalabteilung. Diese Unsitte bringt den Bewerber a) in eine sehr schlechte Verhandlungsposition und b) könnte man sich viele Stunden und Bewerbungen sparen, wenn man von vorne herein weiß, dass man ohnehin zu teuer für das Unternehmen ist", schreibt ein genervter Wiwo-Leser bei Facebook.

Personaler bleiben hart

Dass der Wahnsinn Methode hat, belegt eine Online-Umfrage, die das Beratungsunternehmen Kloepfel Recruiting für WirtschaftsWoche Online gemacht hat. Dafür wurden bei Xing, LinkedIn und über ein eigenes Panel sowohl Personalverantwortliche und Geschäftsführer, als auch Bewerber befragt, wie sie zur Gehaltstransparenz stehen. Mit rund 200 Teilnehmern ist die Umfrage zwar nicht repräsentativ, macht aber dennoch einiges deutlich. Auf die Frage, ob schon in der Stellenanzeige das Gehalt angegeben werden sollte, antworteten 74 Prozent der Personaler mit Nein. "Dies zeigt sich branchenübergreifend. Die Personaler finden es im allgemeinen nicht gut, Gehälter offen zu gestalten", sagt Philipp Heymann, Geschäftsführer von Kloepfel Recruiting.

Transparenz gefällig

Dagegen wünschen sich 75 Prozent der Bewerber eine Gehaltsangabe in der Stellenanzeige. Der Mehrheit (88 Prozent) würde schon eine grobe Spanne genügen – Hauptsache, sie kennen den Verhandlungsspielraum. Nur zwölf Prozent wollen es ganz genau wissen.

"Das Ergebnis klingt für mich durchaus realistisch", sagt Thomas Haussmann, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Korn Ferry Hay Group. "Es ist gut nachvollziehbar, dass Bewerber möglichst viele Informationen über eine potenzielle Stelle haben wollen, und da ist natürlich die Information über das zu erwartende Gehalt eine ganz besonders wertvolle. Umgekehrt ist es klar, dass sich die Personaler nicht gerne in die Karten schauen lassen und es deshalb mehrheitlich ablehnen, das Gehalt schon in der Stellenanzeige transparent zu machen."

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