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Die abgedroschensten Selbstbeschreibungen
Ferdinand Knauß, wiwo.de
Wer wirklich "kreativ" ist, der sollte für sein Online-Profil besser eine andere Selbstbeschreibung wählen. Ohne Tiefgang kein Herausstechen aus der Masse. LinkedIn hat die meistgenutzten Schlagwörter seiner Mitglieder aufgelistet.
An schöpferischen Menschen scheint wahrlich kein Mangel zu herrschen. Zumindest an Menschen, die sich dafür halten. Weltweit und in Deutschland ist die Selbstbeschreibung "kreativ" die Nummer eins der am häufigsten in den Mitgliederprofilen des Netzwerkes LinkedIn genutzten Begriffe.
Die Betreiber haben eine Liste der in den 187 Millionen Profilen überstrapazierten Schlagwörtern von 2012 zusammengestellt. LinkedIn veröffentlicht die Rangliste zum dritten Mal. Auch in der Liste für das Jahr 2011 war "kreativ" der Spitzenreiter in deutschen Profilen.
2010, als die Studie zum ersten Mal durchgeführt wurde, stand "innovativ" an vorderster Stelle.
Eine(r) wie der andere
Die zehn meistgenutzten Schlagwörter in deutschen Profilen sind:
- Kreativ
- Verantwortungsbewusst
- Analytisch
- Motiviert
- Innovativ
- Erfolgsorientiert
- Organisiert
- Kommunikative Fähigkeiten
- Effektiv
- Internationale Erfahrung
Aus der Liste kann man erkennen, welche Eigenschaften Bewerber für auf dem Arbeitsmarkt oder generell in der Gesellschaft besonders gefragt halten.
Andere Länder, andere Eigenschaften
An der Konjunktur des Begriffs "Kreativität" sind die Unternehmen auch mit schuld. VW zum Beispiel bezeichnet die "Kreativität der Mitarbeiter" als "höchstes Gut". Als Erfolgsstrategie taugt es allerdings vermutlich nicht, in dieser Hinsicht einfach mit dem Strom zu schwimmen. Je häufiger eine Selbstbeschreibung ist, desto unauffälliger und unglaubwürdiger wird sie.
Sprachwissenschaftler wissen, dass gerade die am meisten verwendeten Schlagwörter oft die geringste Aussagekraft haben. "Wer hier auffallen will, sollte mit seinem Online-Profil aus der Masse hervorstechen. Millionen von Mitgliedern behaupten von sich, sie seien kreativ. Belege wie beispielsweise Verweise auf einzigartige, einfallsreiche, faszinierende Projekte sind eine Möglichkeit, sich abzuheben" empfiehlt Alexander Zipp von LinkedIn.
Zwischen den Selbstdarstellern gibt es erstaunliche nationale Unterschiede. "Für die unter anderem vom Bankwesen geprägte Wirtschaft in der Schweiz ist "analytisch" die wichtigste Eigenschaft. In Malaysia, Saudi-Arabien, Südafrika, den Vereinigten Arabischen Emirate und Großbritannien führt "motiviert", das dort als Codewort für "zuverlässig!" verstanden wird, die Ranglisten an", sagt Zipp.
Bei der Verwendung von Schlagwörtern sollte man sich stets des kulturellen Hintergrunds bewußt sein: Derselbe Begriff kann je nach Land unterschiedlich verstanden werden.
Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
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