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Kampf um Ausbildungsplätze
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Ausbildungsplätze

Deutsche Azubis bevorzugt

International gilt die deutsche Berufsausbildung als vorbildlich. Doch hierzulande schrumpft der Ausbildungsmarkt. Wer im Osten lebt, Hauptschüler oder Migrant ist, tut sich besonders schwer, eine Lehre zu finden.
Es wirkt skurril: Auf der einen Seite klagen Betriebe über mangelnden Nachwuchs, auf der anderen Seite finden viele Jugendliche keine Lehrstelle. Azubis fehlen insbesondere in den Reinigungsberufen, im Gastgewerbe und in der Lebensmittelverarbeitung. In diesen Branchen gibt es die meisten unbesetzten Ausbildungsplätze.

Der "Ländermonitor berufliche Bildung" der Bertelsmann-Stiftung zeigt, wo Angebot und Nachfrage besonders auseinander klaffen. Demnach ist die Zahl der Bewerber für einen Ausbildungsplatz seit 2007 bundesweit von 756.000 auf 613.000 gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 19 Prozent. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze ging ebenfalls zurück, mit einem Minus von 13 Prozent jedoch weniger stark (von 644.000 auf 563.000). Die rechnerischen Chancen auf eine Lehrstelle haben sich somit für den einzelnen Bewerber erhöht.

Migranten besonders aufstiegswillig

Aber: Hauptschüler und Ausländer sind von dieser Positiv-Entwicklung ausgeschlossen, wie der Ländermonitor zeigt. Die geringste Erfolgsquote bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz haben demnach Hauptschüler ohne deutschen Pass. Nur 37 Prozent von ihnen finden direkt eine Lehrstelle, deutsche Hauptschüler haben eine Erfolgsquote von 54 Prozent. Eine Ausbildungsumfrage der Allensbach-Stiftung unter 15- bis 24-Jährigen zeigt, wie problematisch diese Art der Diskriminierung ist: Junge Menschen mit ausländischen Wurzeln sind laut Studie deutlich aufstiegswilliger als die deutschen Altersgenossen. 60 Prozent von ihnen ist es wichtig oder sehr wichtig, sozial aufzusteigen und mehr zu erreichen als ihre Eltern. Von allen Befragten legen darauf nur 46 Prozent den gleichen Wert. Jeder zweite junge Migrant glaubt demnach auch, dass er beruflich mehr erreicht als seine Eltern. Doch ohne Ausbildungsplatz ist das nicht möglich.

Immerhin: Je höher der Schulabschluss, desto geringeren Einfluss hat die Nationalität. Die Erfolgsquote für den Eintritt in eine Berufsausbildung von ausländischen Schulabgängern mit Abitur oder Fachhochschulreife liegt mit 94 Prozent nur knapp unterhalb der ihrer deutschen Altersgenossen (97 Prozent).
 

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