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Das falsche Bild von MINT-Jobs
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Berufswahl

Das falsche Bild von MINT-Jobs

Teil 5: MINT-Ausbildung attraktiver als viele glauben

Auch bei Chemie- und Informatiklehrern für das Gymnasium ist der Anteil rückläufig, nur bei den Mathematiklehrern stagniert der Wert. Zum Vergleich: Binnen eines Jahres hat sich in der Sekundarstufe II der Anteil der Geschichtslehrer, die frisch von der Uni kamen, von gut acht auf knapp elf Prozent erhöht. Und das trotz geringer Nachfrage.

Ein ganz ähnliches Bild bietet sich an den Berufsschulen: Während im Jahr 2004 noch rund 17 Prozent der Berufsschullehrer ein technisches Fach studiert haben, waren es 2014 noch neun Prozent.

Jeder Student ist ein Azubi weniger

Zwar schreiben sich mittlerweile wieder mehr junge Menschen für ein MINT-Studium ein, eine echte Trendwende sei das jedoch nicht. Zum einen ist der Beginn eines Studiums nicht mit dem Abschluss gleichzusetzen. Deutschlandweit beenden weniger als 40 Prozent ein Studium, gerade in MINT-Fächern sind die Abbruchquoten hoch.

Außerdem sei das Interesse bei Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden sowie Studierenden weiterhin zu gering, um den Bedarf an Fachkräften zu decken.
 
Gerade im Ausbildungsbereich ist die Entwicklung drastisch: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der neu abgeschlossenen MINT-Ausbildungsverträge um acht Prozent gesunken. Die Zahl der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge ist im gleichen Zeitraum weiter gestiegen. "Wir müssen jungen Menschen klar machen, dass MINT-Ausbildungen viel attraktiver sind, als sie glauben", fordert deshalb Ortwin Renn, Mitglied des acatech Präsidiums und wissenschaftlicher Leiter der Studie.

Nur MINT-Studenten reichen nicht

Und Henning Kagermann, Präsident von acatech, sowie Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, betonen, dass jeder MINT-Student mehr ein MINT-Azubi weniger ist. "Diese Rechnung kann auf Dauer nicht aufgehen, denn Deutschland braucht beides: Spitzenkräfte bei den Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie gleichzeitig hervorragend ausgebildete Fachkräfte in Industrie und Handwerk", schreiben sie im Vorwort zur Studie. Und weiter: "Die digitale Transformation der Wirtschaft und der demografische Wandel erfordern zunehmend digital kompetente und technisch versierte Nachwuchskräfte. Wir brauchen nicht nur ein Mehr an MINT-Bildung für den Einzelnen, sondern allgemein eine größere Zahl an Personen, die über MINT-Qualifikationen verfügen."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 15.12.2015
 

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