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Bewerbung mittels Ghostwriter
Foto: Brian Jackson/Fotolia.com
Neuer Job

Bewerbung vom Ghostwriter

Teil 3: Pakete für jede Lebenslage

Dass Unternehmen an unsicheren Bewerber verdienen, ist nicht neu. Die Bewerbungsprofis Jürgen Hesse und Christian Schrader vom Beratungsunternehmen Hesse Schrader etwa beraten seit über 30 Jahren Jobsuchende vom Azubi bis zum Konzernlenker. Ihre insgesamt 150 Sachbücher haben ein Gesamtauflage von 6,5 Millionen Exemplaren erreicht. Der Ansatz bei den Bewerbungsghostwritern aber ist ein anderer. Anstatt Tipps zu bekommen, wie die perfekte Bewerbung auszusehen hat, kann der Gestresste hier die ganze Arbeit outsourcen: Lebenslauf, Referenzen und Zeugnisse hochladen, vier Tage warten und schon ist die fertige Bewerbung da – Eilige buchen das 24-Stunden-Expresspaket.

Grundsätzlich können Bewerber bei den Ghostwritern für jede Lebenslage das richtige Paket anfordern – vom Motivationsschreiben für das Masterstudium bis zum Rundumsorglos-Paket für Manager. Denn an den Angeboten, die über das bloße Anschreiben hinaus gehen, verdienen die Unternehmen ihr Geld.

So kostet bei richtiggutbewerben.de die Optimierung einer vorhandenen Bewerbung 67 Euro, wer eine komplett neue Bewerbung inklusive Lebenslauf, Anschreiben und Deckblatt in einer anderen Sprache bestellt, legt dagegen rund 200 Euro auf den Tisch.

Coaching gegen Aufpreis

Neben Unternehmen wie dem von Zafar gibt es auch diverse Einzelpersonen, die ihre Dienste als Ghostwriter anbieten. Viele sind ehemalige Personaler oder Führungskräfte mit Personalverantwortung. Deren Angebote umfassen häufig noch ein persönliches Coaching oder Tipps und Tricks rund um das Erscheinungsbild. Natürlich alles zum entsprechenden Aufpreis.

Testurteil: authentisch

Trotzdem: Die Ergebnisse sind täuschend echt, wie auch die alten Hasen im Bewerbungsmarkt zugeben müssen. Engagement und Leidenschaft lassen sich also sehr wohl faken, wenn der Ghostwriter Stärken, Referenzen und Anforderungsprofil kennt.

Hesse hat für n-tv Bewerbungen von die-bewerbungsschreiber.de und richtiggutbewerben.de getestet und miteinander verglichen. Sein Fazit: Alles in allem sind die Ergebnisse authentisch. Weder der Bewerbung des Berufseinsteigers Simon noch der des erfahrenen Ingenieurs Müller merkt man an, dass sich dahinter ein Team aus professionellen Auftragsschreibern verbirgt. Einzige Kritikpunkte: Mal ist ein Satz etwas zu lang, mal etwas zu verschachtelt.

Die Personaler scheinen sich daran jedoch nicht zu stören: Laut Zafar werden rund 70 Prozent seiner Kunden zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wie viele den Job auch bekommen, kann das Unternehmen allerdings nicht nachhalten. Das liegt dann schließlich ganz allein in der Hand des Bewerbers.

Für die Start-ups lohnen sich die Unsicherheit und die Schreibblockaden der Jobsuchenden auf jeden Fall. Allein Zafars 20-köpfiges Team bekommt rund 300 Aufträge im Monat, der Umsatz bewegt sich deutlich im sechsstelligen Bereich – und das, obwohl das Unternehmen noch keine zwei Jahre alt ist.


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Zuerst veröffentlich auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 01.07.2016
 

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