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Bewerber ohne Identität

Larissa Haida / wiwo.de
Bewerber mit einem ausländischen Namen werden oft benachteiligt. Doch das soll sich ändern. Das Bundesfamilienministerium und die Konsumgüterkonzerne L’Oréal und Procter&Gamble könnten Vorreiter sein. Sie folgen einer Initiative der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und führen die anonymisierte Bewerbung ein.
Wer verbirgt sich hinter der Bewerbung?Foto: © Emin Ozkan - Fotolia.com
Name, Geschlecht, Alter, Familienstand, Religion, Nationalität – all diese Informationen gehören bei einer anonymisierten Bewerbung der Vergangenheit an. Sie werden aus der Bewerbung entfernt und der Personalchef urteilt lediglich aufgrund der Qualifikation des Bewerbers. Erst beim Gespräch geben die Bewerber ihre Identität preis.Studien belegen immer wieder, dass ein ausländisch klingender Name oder die Angabe des Geschlechts bestimmte Bewerber benachteiligt. Laut einer Erhebung der OECD müssen Migranten 45 Prozent mehr Bewerbungen verschicken als einheimische Männer, um zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden - bei Frauen sind es 30 Prozent zusätzlich verschickte Bewerbungen.

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Das Pilotprojekt, das von der Antidiskriminierungsstelle schon im Februar ins Leben gerufen wurde, soll Aufschluss darüber geben, inwiefern sich die Chancen von Bewerbern mit Migrationshintergrund und älteren Arbeitssuchenden verbessern.Hilfe von neutralen VermittlernEin vergleichbares Projekt in Schweden kam zu dem Ergebnis, dass durch die anonymisierte Bewerbung mehr Frauen und mehr Bewerber mit Migrationshintergrund zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wurden. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist ebenfalls ein Verfechter der anonymisierten Bewerbung: Dort experimentieren 50 Unternehmen mit der Einführung eben dieses Verfahrens.Die anonymisierte Bewerbung funktioniert nur mit Hilfe einer neutralen Stelle, die den Kontakt zwischen dem Bewerber und dem Unternehmen herstellt. Im Fall des Bundesfamilienministeriums wird das Bundesverwaltungsamt diese Aufgabe übernehmen. Die Bewerbungen, die dort eingehen, werden mit Hilfe einer Maske anonymisiert und an die entsprechende Abteilung im Ministerium weiter geleitet.„Die Teilnahme des Bundesfamilienministeriums und des Integrationsministeriums von NRW an diesem Testlauf ist von großem Vorteil. So können wir sowohl Behörden als auch Unternehmen aus der freien Wirtschaft vergleichen“, sagt Christine Lüders, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.Procter&Gamble möchte vor dem Start im Herbst keine Details bekannt geben. Das Pilotprojekt wird am Standort in Berlin anlaufen, wo momentan rund 1000 Mitarbeiter arbeiten. Eine neutrale Vermittlungsstelle wurde noch nicht festgelegt. L’Oréal nimmt schon heute an dem von Nicolas Sarkozy geforderten Experiment teil.(Artikel zuerst erschienen bei WirtschaftsWoche online - wiwo.de)

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