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Kaum jemand verbleibt sein ganzes Leben im selben Beruf.
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Die Qual der Berufswahl

Abschlüsse bleiben auch in Zukunft das A und O

Teil 2: Digitale und interaktive Kompetenzen gefragt

Welche ihrer Qualifikationen sollten Jugendliche heute eher bei der Berufswahl berücksichtigen?

Wir sprechen immer von digitalen Kompetenzen. Aber was soll das sein? Auf jeden Fall sind das nicht die Kompetenzen, die man erwirbt, wenn man ein Smartphone bedient oder den Computer anschaltet. Gemeint sind vielmehr die Fähigkeiten, Probleme zu erkennen und nach Lösungswegen zu suchen, die Probleme effizient lösen. Darüber hinaus sind interaktive Kompetenzen gefragt. Es wird viel wichtiger, zu kommunizieren; und damit meine ich nicht, eine Nachricht zu schreiben. Die Kommunikation mit Kunden oder Kollegen wird sich wohl auch zukünftig nicht gut durch Computer substituieren lassen. Deswegen werden diese Fähigkeiten essentiell.

Rate ich meinen Kindern eher zu einer Ausbildung oder zu einem Studium?

Diese Frage wird uns häufig gestellt. Und es gibt keine pauschale Antwort. Ich empfehle, sich rückwärts vorzuarbeiten und erst das berufliche Ziel zu benennen. Und sei es etwas Exotisches wie Grabungstechniker, die weltweit in der Archäologie tätig sind. Danach lässt sich besser entscheiden, ob der Weg über eine Ausbildung oder ein Studium führt. Das Ziel muss erreichbar sein. Und dann wird man alle paar Jahre schauen müssen, ob das Ziel einen anderen Weg erfordert. Oder ob es überhaupt noch vorhanden und erreichbar ist. Das ständige Hinterfragen ist die Anforderung, die kommende Generationen viel stärker meistern müssen. Es ist also sinnvoll, die Wahl eher an Neigungen und Fähigkeiten festzumachen, als sich Prognosen über die Entwicklung bestimmter Berufe als Grundlage für die Entscheidung zu wählen.

Sie haben untersucht, in welchem Bundesland mehr Jobs das Risiko haben, durch die Digitalisierung zu verschwinden. Sollte bei der Berufswahl also auch der Wohnort eine Rolle spielen?

Regionale Mobilität ist in Deutschland nicht die Regel. Insofern macht das einen Unterschied, ja. Wir haben das untersucht, um der Politik zu helfen zu sagen, wo die Probleme größer sind als anderswo. Eines der wichtigsten Ergebnisse für uns ist, dass die regionalen Besonderheiten voll durchschlagen. Und da macht es einen Unterschied, ob sie Zerspanungsmechaniker im Saarland lernen oder in Bayern. In manchen Regionen in Bayern werden sie auf höchstem technologischem Niveau ausgebildet, was im Saarland nicht unbedingt der Fall sein muss.

Jugendliche, die ihren Eltern sagen, sie möchten Rockstar, Fußballprofi oder Schauspieler werden – haben die nicht nun sogar einen Vorteil? Schließlich möchte niemand ein Konzert oder ein Fußballspiel mit Robotern anschauen.

Direkt raten würde ich zu einer solchen Berufswahl nicht. Ob man zukünftig häufiger Sport, Kunst und Kultur konsumiert, hängt stark davon ab, wie wir unsere Gesellschaft gestalten werden. Wenn die Digitalisierung tatsächlich dazu führt, dass die Menschen weniger arbeiten und mehr Zeit haben, dann kann es durchaus sein, dass sie diese nutzen, um Museen oder Konzerte zu besuchen beziehungsweise Sport anzuschauen. Nur, noch ist gar nicht klar, ob das so kommt. Das hängt auch davon ab, ob der durch die technologischen Neuerungen vermehrte Wohlstand einigermaßen gerecht verteilt wird. So weit sind wir nicht. Wir diskutieren noch nicht darüber, wie unsere Gesellschaft funktionieren könnte, wenn nur noch Maschinen und Roboter Produkte erzeugen. Wie funktioniert dann der Markt? Wir sind noch eine Arbeitsgesellschaft und noch nicht an dem Punkt angelangt, dass die Wissensproduktion und -reproduktion an die erste Stelle zu setzen.

Also kein grünes Licht für den Berufswunsch Rockstar oder Fußballprofi?

Definitiv nicht. Aber wenn: Macht auf jeden Fall einen Abschluss. Das wird auch weiterhin der Schlüssel sein. Ohne Berufsausbildung oder Studium wird es sehr schwer werden in Deutschland. Zertifikate bleiben das A und O. Selbst als Quereinsteiger ist der Abschluss die Eintrittskarte für viele andere Wege. Das sollten wir den Kindern mitgeben.

Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 02.08.2016
 

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