Ortswechsel

Zwei Deutsche am Polarkreis

Elmar Jung
Was für viele das Ende der Welt ist, ist ihr neues Zuhause. Thomas Blumberger arbeitet in Marketing und Sales, Florian Stammler ist Sozialwissenschaftler. Beide folgten dem Ruf der Arbeit und zogen nach Rovaniemi, der Hauptstadt der Landschaft Lappland.
Finnland ist berühmt für Seen und WälderFoto: © cameraw - Fotolia.com
Thomas Blumberger folgte dem Ruf des Goldes nach Finnland
Echte Bayern verschlägt es eher selten gen Norden. Ausnahmen gibt es natürlich auch - so wie Thomas Blumberger. Der gebürtige Münchner lebt seit zwei Jahren am Polarkreis, genauer gesagt in der finnischen Stadt Rovaniemi, dem politischen und kulturellen Zentrum der Provinz Lappland. Der 42-jährige ist für Marketing und Sales der Firma Arctic Drilling Company zuständig, einem Unternehmen, das geologische Erdproben entnimmt, um beispielsweise Goldadern zu finden.Bevor er nach Rovaniemi ging, lebte er mit seiner Familie acht Jahre lang im australischen Perth, hatte dort eine Firma für tropische Baumaterialien. Dann rief das Geschäft mit dem Gold. Die Umstellung war schwer: Vom australischen Sommer in den finnischen Winter, von plus 30 auf minus 30 Grad. Und die Lappen sind oft eher introvertiert und verschlossen. Der Umzug war dennoch ein Glücksfall, nur mit der Sprache hapert es. Da hilft es auch nicht, dass seine Frau Gabriela Halbfinnin ist und auch die Kinder schon Finnisch sprechen. "Es funktioniert einfach nicht. Aber zum Glück sprechen hier alle Englisch."Florian Stammler forscht in Rovaniemi über HeimatloseAls Sozialwissenschaftler muss man dahin gehen, wo die Arbeit ist." Deshalb entschied sich der 37 Jahre alte Ethnologe Florian Stammler vor vier Jahren für ein Leben in Rovaniemi. Er und seine in Sibirien geborene Frau hatten zuvor an der renommierten Universität in Cambridge gearbeitet. Doch als Stammler wegen mangelnden Geldes kein weiteres Forschungsprojekt bewilligt wurde, folgte er dem Ruf nach Finnland.Am Arctic Center, einem nationalen Think-Tank für die Arktis, ist Stammler Beobachter und Studienobjekt zugleich. Denn er beschäftigt sich mit jenem Spannungsfeld zwischen Mobilität und Zugehörigkeitsgefühl, in dem er sich selbst bewegt."Ich würde mich nicht als entwurzelt bezeichnen", sagt er, "aber wenn Sie mich jetzt nach meiner Heimatstadt fragen, müsste ich passen." Inzwischen hat sich Großstadt-Mensch Stammler an die Provinz gewöhnt - und sie zu schätzen gelernt. Vor allem das Naturerlebnis hat es ihm angetan. "Ich bin begeisterter Eisschwimmer", sagt er. Im Winter springt er so gut wie jeden Tag in irgendein Loch, das in die Eisdecke eines Flusses oder Sees gebohrt wurde.
Dieser Artikel ist erschienen am 12.03.2010

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