Jobsuche

Zu wenig Jobs für zu viele Absolventen

Andreas Niesmann, Christian Müßgens
Auch Wirtschaftswissenschaftler dürften die Folgen der Krise zu spüren bekommen - vor allem, wenn sie im Marketing arbeiten wollen. Dort setzten Firmen zuerst den Rotstift an, berichtet Hensgens. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Stellen deutlich zurückgegangen.Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht sogar ein grundsätzliches Überangebot an Wirtschaftswissenschaftlern: "Es ist in Mode gekommen, BWL zu studieren", sagt er. Jetzt müssten die Absolventen sich umso mehr anstrengen, um einen guten Job zu bekommen. Auch der Experte vom DIW glaubt, dass im Marketing weniger Leute gesucht werden als bisher. In den Personalabteilungen und in anderen Bereichen der Verwaltung sinke der Bedarf an BWL-Absolventen allerdings ebenso.Wie eng der Arbeitsmarkt für junge Betriebswirte inzwischen ist, hat Marcus Eckert am eigenen Leib erfahren. Mehr als 120 Bewerbungen hat der Diplom-Kaufmann geschrieben, seit er im Februar 2009 sein Studium an der Universität Osnabrück abgeschlossen hat. Zunächst hagelte es eine Absage nach der nächsten. "Praktisch alle Unternehmen wollten nur noch Leute mit Berufserfahrung", berichtet der 27-Jährige. "Selbst im Trainee-Bereich hat man als Einsteiger ohne fachliche Erfahrung keine Chance."Wird 2010 ein schlechtes Jahr für Akademiker?Auch er musste seine Ansprüche zurückschrauben - und sich erst einmal mit einem Praktikum begnügen. Seit November hospitiert er bei einem Kölner Internet-Start-up, das eine Verkaufsplattform für Online-Händler anbietet. Die Chance auf eine Übernahme sei zwar gering, doch Marcus Eckert ist zuversichtlich, mit den gesammelten Erfahrungen im Anschluss schnell eine feste Stelle zu finden. "Ganz wichtig für mich ist die Referenz in meinem Lebenslauf."Wird 2010 ein schlechtes Jahr für Akademiker? "Es kommt immer auf die individuelle Qualifikation an", glaubt Berufsberater Karl Brenke: "Und die hat nur wenig mit dem formalen Abschluss zu tun." Wer sich früh spezialisiere, wer seine Netzwerke nutze, der werde auch 2010 einen Job finden.Außerdem gibt es Signale, die Anlass zur Hoffnung geben: Wie die Online-Stellenbörse Jobstairs in einer Umfrage unter knapp 50 deutschen Großkonzernen herausgefunden hat, gehen viele Personaler davon aus, dass bereits 2010 ein erheblicher Mangel an Fachkräften bestehen wird, unter anderem in den Bereichen Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften.Berufliche Chancen trotz Krise bieten kleine und mittelgroße Unternehmen. "Bewerber sollten den Mittelstand analysieren und scannen", sagt Thomas Rübel, Geschäftsführer beim Büro für Berufsstrategie. Viele Akademiker konzentrierten sich zu stark auf die großen Konzerne - doch die stellten zurzeit viel weniger ein. Bei den Kleineren zeichne sich hingegen bereits jetzt ein deutlicher Bedarf ab.Weiterbildung statt steiler KarriereAußerdem sollten sich Jobsuchende auf ihre Stärken besinnen und lieber eine Phase der Weiterbildung einschieben, als auf die steile, schnelle Karriere zu setzen. "Jeder hat einen Schwachpunkt, an dem er noch arbeiten kann", mahnt Rübel, etwa wenn es um Fremdsprachen oder um Computerkenntnisse gehe. Studenten kurz vor dem Abschluss sollten versuchen, ihre Abschlussarbeit an den Interessen eines potenziellen Arbeitgebers auszurichten. Vor blindem Aktionismus warnt der Experte. Stattdessen sollten Berufseinsteiger sich kontinuierlich weiterbilden.Auch Maxie Strate, die Absolventin aus Twente, hat während ihres Praktikums zusätzliche Erfahrungen gesammelt und Ruhe bewahrt. Ihre Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt: Über die Stellenbörse Monster.de bekam sie Ende 2009 ein Jobangebot, das zum Erfolg führte; am Montag hat sie bei einer kleinen Beratungsfirma in der Nähe von Utrecht im Recruiting angefangen. "Diese Stelle bietet mir einen guten Einstieg", freut sich die Psychologin. "Das ist etwas, das zu mir passt und wo ich Freude dran habe."Lesen Sie mehr zum Thema "problematische Jobsuche":Einstieg mit HindernissenNur wenig Chancen auf einen Job
Dieser Artikel ist erschienen am 10.03.2010

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