Mein schlimmster Job

Zu sanftmütig für die Partnervermittlung

Mariam Schaghaghi
In der Handelsblatt-Serie "Mein schlimmster Job" erzählen Prominente aus Wirtschaft, Politik und Kultur von ihren ersten skurrilen Erfahrungen im Berufsleben. Diesmal: TV-Moderator Dieter Moor. Er hatte zu viel Einfühlungsvermögen, um in einer Partnervermittlung zu arbeiten.
TV-Moderator Dieter MoorFoto: © Manuel Krug
Seit ich 20 bin, arbeite ich als Freiberufler. Da gab es immer Zeiten, in denen ich mich fragen musste: "Wovon bezahle ich die nächste Miete?" Auf der Suche nach Gelegenheitsjobs habe ich natürlich auch Zeitungsinserate gelesen, und eines war von einer Partnervermittlung. Beim Vorstellungsgespräch war man ganz begeistert davon, dass ich eine abgeschlossene Schauspielausbildung habe. Die haben wohl erwartet, dass ich besonders dramatisch schildern kann, wie das Leben wird, wenn man diesen Vertrag nicht unterschreibt.
Umgerechnet bis zu 2500 Euro mussten die Kunden bei einer Unterschrift zahlen, ich sollte für jeden Vertrag etwa 250 Euro bekommen. Das klang, als könnte ich meine Geldprobleme in kurzer Zeit beenden. Also habe ich bei der Partnervermittlung angefangen.Das lief so, dass erst ein Lock-Inserat aufgegeben wurde: "Gut aussehender Arzt, 38, mit geerbter Villa am Zürichsee, einsam, beruflich erfolgreich, sucht Dame ..." So ungefähr. Die, die sich darauf meldeten, luden wir ein. Wenn sie kamen, musste man sie ausfragen und dann einen Partner empfehlen.Einer meiner Kollegen hat die Kandidaten oft richtig angebrüllt. "Ändern Sie endlich Ihr Leben! Glauben Sie, ich opfere hier meine Zeit, um Ihnen zu helfen, und Sie verweigern sich?!" Und die Leute haben unterschrieben! Der Kerl hat immer geprahlt, wie gut er verdient.Mehr Sinn für Menschen als fürs GeschäftIch wollte auch gut verdienen. Ich habe nur den Fehler gemacht, dass mich die Geschichten zu sehr interessierten. Vor mir breiteten die Leute immer ihre ganze Lebensgeschichte aus, warum sie allein sind, warum die letzte Beziehung in die Hose ging. Ich habe fasziniert und verständnisvoll zugehört - und am Ende hieß es: "Danke, das war ein sehr schönes Gespräch! Das hat mir viel gebracht, ich brauche die Partnervermittlung gar nicht mehr."Und weg waren die potenziellen Kunden. Ich war für ein, zwei Stunden eine Art Therapeut. Aber zu sagen: "Jetzt unterschreiben Sie mal!" - das war für mich der Horror. Der Job war hochinteressant, aber mein Kühlschrank blieb leer, und meine Verarmung schritt voran. Ich habe nichts verdient, obwohl ich sechs Gespräche pro Tag geführt habe. Nach zwei Monaten habe ich aufgegeben und in einem Call-Center angefangen. Das war dann zwar ganz beschissen, aber da kam wenigstens ein bisschen Geld rein.Dieter Moor ist auch Autor des Buches "Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht". Das gleichnamige Hörbuch erscheint am 17. September.Lesen Sie von anderen schlimmsten Jobs:
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Dieser Artikel ist erschienen am 26.07.2010

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