IT-Sicherheit

Wo Hacker ihr unheimliches Handwerk lernen

Kristin Schmid / wiwo.de
Foto: tommyS/Pixelio
Ebenfalls im Ruhrgebiet haben Technikverrückte im Jahr 2005 den Hackerverein „Das Labor“ gegründet. Die Vereinsräume liegen abseits einer großen Hauptstraße in einem Hinterhofgebäude. Dort sitzen die Hobby-Hacker in einer Couchecke, die Laptops auf den Knien, die Augen auf den Bildschirm fixiert. Im Raum nebenan steht noch eine Werkstatt mit Lötkolben, Platinen und Oszilloskopen. Hier versammeln sich nicht nur Computerfreaks, sondern auch Elektrotechniker, Maschinenbauer und Physiker. Sie nennen sich ebenfalls Hacker, denn so heißen in der Szene alle, die einen „kreativen Umgang mit Technik“ pflegen.

Datenklau nur unter Wettbewerbsbedingungen

Ein Euphemismus, gewiss. Schon oft haben Hacker geheime Daten oder sogar Geld erbeutet. Entsprechend viel Kritik erntete die TU Darmstadt, als sie 1999 als erste deutsche Hochschule ein Hacker-Praktikum anbot. Noch mehr Computerfreaks könnten ihre Fähigkeiten für kriminelle Zwecke missbrauchen, wurde befürchtet. Um der Gefahr vorzubeugen, klären die Dozenten ihre Studenten zu Beginn jedes Vertiefungskurses über rechtliche Konsequenzen auf und verweisen auf die Hacker-Ethik: Wer das Know-how nutzt, um damit illegal Profit zu machen, ruiniert in der Szene seinen Ruf und wird geächtet.

Datenklau ist daher – zumindest offiziell – nur unter Wettbewerbsbedingungen erlaubt. Weil aber gerade das die IT-Freaks immer wieder reizt, gibt es für Nachwuchshacker virtuelle Räuber-und-Gendarm-Spiele. Deren Ziel ist es, den eigenen Server zu schützen und gleichzeitig die Daten der gegnerischen Mannschaften auszuspionieren. Regelmäßig treffen sich die Teams aus Bochum und Darmstadt zum Training, um sich auf den Saisonhöhepunkt im Dezember vorzubereiten. Dann findet der weltweit größte Hacker-Wettbewerb statt, bei dem über 70 Teams gegeneinander antreten. Knapp 1.000 Hacker aus der ganzen Welt sitzen dann vor ihren Rechnern und programmieren um die Wette.

Es ähnelt einem Agenten-Thriller, wie sich die Hacker-Elite in den verschiedenen Kommandozentralen versammelt. In einem abgetrennten Netzwerk verschicken sie Viren und überlegen, wie sie ihre Schadprogramme unbemerkt auf dem gegnerischen Computer unterbringen. In erster Linie geht es zwar um Spaß, doch der Ehrgeiz der Hacker groß. Das Team der TU Darmstadt, die Wizards of DOS, schafften es schon zweimal aufs Treppchen.

Denken wie ein Angreifer

Genau darum geht es den Universitäten: Die Studenten sollen denken wie ein Angreifer – aber nicht, um das System auszuspionieren, sondern um es zu sichern. Dass das ein schmaler Grat ist, weiß auch Thorsten Holz, Juniorprofessor an der Ruhr-Universität Bochum. Wer sich mit IT-Sicherheit beschäftigt, müsse „immer ein bisschen kriminelle Energie besitzen“. Zumindest im Geiste, wie er hinzufügt.

Der 29-Jährige spricht aus Erfahrung. Er ist selbst Hacker und seit Jahren Mitglied im CCC. 2010 erhielt er für einen seiner Coups einen Preis von der amerikanischen Netzwerkfirma Cisco. Gemeinsam mit einer internationalen Spezialistentruppe enttarnte er Server, auf deren Kommando täglich rund 50 Milliarden Spam-Mails verschickt wurden. Holz erinnert sich mit Stolz an den Erfolg gegen die „Cracker“ – so nennen Insider die „bösen Jungs“ in der Szene. Solche Aktionen fördern sein Ansehen bei den Studenten.

Foto: A. Morlo/Pixelio
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Der Artikel ist zuerst erschienen auf wiwo.de.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.04.2011
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