IT

Wissen richtig managen

Kirstin von Elm
Neben der Runderneuerung von Econ-Biz betreut er weitere Projekte wie etwa den Einsatz von Web-2.0-Tools. Die ZBW will testen, ob die für ihre Nutzer künftig nach dem Vorbild von Social-Bookmark-Portalen wie Mister Wong oder Linkarena eigene wirtschaftswissenschaftliche Schlagwortkataloge anlegen und so das eigene Wissen anderen zugänglich machen.Ein einheitliches Anforderungsprofil für Wissensmanager lässt sich nur schwer ableiten. Wer in Online-Jobbörsen nach offenen Stellen im Wissensmanagement sucht, findet überwiegend Angebote von IT-Beratungen und Softwarehäusern. Dort werden bevorzugt Leute wie Jan Lüth eingestellt, die gute IT-Kenntnisse und Berufserfahrung mitbringen, Projekte managen können und sich möglichst auch noch in einer einschlägigen Branche auskennen. Neben Informatikern und Wirtschaftsinformatikern werden in den Offerten häufig auch technik-affine BWLer mit Studienschwerpunkten wie Organisation und Unternehmensführung angesprochen.Kleinere Unternehmen verzichten oft auf WissensmanagementFlächendeckend durchgesetzt hat sich das Wissensmanagement allerdings noch nicht. "Bisher haben vor allem große Unternehmen mit vielen Standorten oder Firmen aus besonders wissensintensiven Branchen hauptberufliche Wissensmanager", sagt Peter Heisig, Leiter und Gründer des European Research Centers for Knowledge and Innovation (Eureki). Das Forschungs- und Beratungsunternehmen ist ein Spin-off der Fraunhofer-Gesellschaft. Auf Eurekis Kundenliste stehen Banken, Behörden und große Industrieunternehmen. Wer sich also keine eigene Abteilung leistet, nutzt externe Dienstleister. Beim Mittelstand hingegen sieht Heisig noch Verbesserungsbedarf. "Leider fehlt da oft noch die Bereitschaft, mehr Zeit und Geld in den professionellen Umgang mit Wissen zu investieren."Wer bei einem dieser großen Unternehmen oder bei einer Beratung einsteigen will, muss ein Grundverständnis für den Aufbau und die Funktionen moderner IT-Systeme mitbringen. Reine Techies sind nicht gesucht. "Unverzichtbar sind sehr gute analytische Fähigkeiten, eine hohe Lernbereitschaft und ein ausgeprägtes Kommunikationstalent", sagt Thomas Künstner, Partner bei der Beratung Booz & Company in Düsseldorf, der selbst Unternehmen berät, die ihr Wissensmanagement verbessern wollen.
Jan Lüth bildet sich zum Wissensmanager weiterFoto: © TIMO WILKE /PR
Julia Lorey bringt diese Voraussetzungen mit. Die Diplom-Kulturwirtin ist Research- und Wissensmanagerin bei Booz. Ihr Studium an der Uni Passau umfasste zum einen Grundlagen in BWL, VWL, Jura, Informatik und Geisteswissenschaften. Zum Pflichtprogramm zählten außerdem zwei Fremdsprachen. Nach ihrem Abschluss stieg sie zuerst bei einer Münchener PR-Agentur ein. Dort merkte sie schnell, dass ihr das Beschaffen und Analysieren von Informationen besonders lag. "Als ich erfahren habe, dass es bei Unternehmensberatungen Jobs im professionellen Research gibt, habe ich mich initiativ beworben und 1999 bei Booz in Düsseldorf angefangen", erzählt sie.
In der Abteilung Research & Knowledge Management bei Booz arbeiten in Europa rund 30 Leute - darunter Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler, aber auch ein Geologe und eine Bibliothekarin. Zum einen versorgen die Wissensprofis die Berater mit Hintergrundwissen und Detailinformationen zu deren Projekten. "Das kann eine schlichte Umsatzzahl sein oder auch eine komplexe Markt- und Wettbewerbsanalyse", erklärt Julia Lorey.Aus jedem Auftrag kann Wissen generiert werdenIhre Aufgabe ist aber keine Einbahnstraße, sie reicht ihre Informationen nicht nur an die Berater weiter. Sie zapft umgekehrt auch deren Wissen an. Sobald ein Projekt abgeschlossen ist, sorgt sie dafür, dass die Berater eine Art Kurzprofil mit den übertragbaren Erkenntnissen in das interne Booz-Wissensportal einstellen.Jeder im Research-Team ist auf bestimmte Branchen spezialisiert. Loreys Domäne sind Medien und Telekommunikation. Von 2004 bis 2006 hat sie deshalb berufsbegleitend noch einen MBA im Medienmanagement an der Steinbeis Hochschule Berlin absolviert. "Dabei habe ich ein sehr gutes Netzwerk zu Führungskräften aus der Branche aufgebaut, das mir heute oft hilft, schnell an wichtige Informationen zu kommen", sagt sie. Aktuell arbeitet sie mit einem Team von Beratern an einem Wiki für die Medienbranche. "Wir wollen mit 150 medienbezogenen Beiträgen starten und ein lebendiges, sich kontinuierlich weiterentwickelndes Nachschlagewerk schaffen."

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