Franz Abraham

"Wir lebten von der Hand in den Mund"

G. Brandenburg, T. Knipper
Suchen Sie generell immer solche Extremsituationen?
Nein, es geht mir auch nicht um schiere Größe, aber Ben Hur können sie nicht klein machen. Ich bin getrieben, Dinge zu machen, die es noch nie gegeben hat, und die Dinge müssen mir gefallen. Kopieren finde ich langweilig. Deswegen kommt es für mich auch nicht in Frage, meine Selbstständigkeit aufzugeben und mich an einen Konzern zu verkaufen.
Sind Sie dieser Devise immer treu geblieben, nie zu kopieren?
Wir haben einmal Wrestling veranstaltet, aus einem Zwang heraus. Die Agentur, die uns David Bowie gebracht hat, wollte das ausprobieren. Ich wollte nicht. Die haben geantwortet: "Das bringt viel Geld. Wenn du das nicht machst, bekommst du David Bowie nicht mehr." Also habe ich es gemacht und wir haben damit nix verdient. Ich würde diese starrköpfige Arbeitsweise anderen Leuten nicht empfehlen. Es macht das Leben nicht einfacher.
Was war die heikelste Live-Situation, die Sie je erlebt haben?
Die Premiere von Carmina Burana Open Air auf dem Königsplatz am 14. Juli 1995. Die Deutsche Bahn hat einen Sonderzug nach Brünn in Tschechien geschickt, um die elf Eisenbahnwaggons mit dem ganzen Zubehör abzuholen, weil die tschechische Bahn Urlaub gemacht hat. Wir waren gerade noch rechtzeitig vor Ort. Beim Vorprogramm war es noch trocken. Dann sollte nach einer kurzen Pause die Carmina Burana kommen. Kaum saßen die Leute wieder, kam die Sintflut. In zehn Minuten stand der Königsplatz komplett unter Wasser. Das Orchester flüchtete, Sound- und Stromanlage fielen aus. Die ganze Aufführung hatte noch nicht mal angefangen und war schon beendet. Mit dem Megafon musste ich dem Publikum erklären, dass sie ihr Geld zurückerhalten.
Und wie sieht dann in so einer Situation Ihr Krisenmanagement aus?
Wenn man immer unterfinanziert ist, ist das ein Dauerzustand. Ich kann aber bei größeren Problemen immer einen klaren Kopf behalten. Wenn alle anderen vor Nervosität fast durchdrehen, werde ich eher ruhig und halte die Leute auf dem Boden.
Franz AbrahamProduzent und Veranstalter Franz Abraham, 46, wuchs in Rosenheim auf. Abraham studierte Philosophie und fuhr Rennen in der Formel 3, bis ein schwerer Autounfall 1987 diese Laufbahn beendete. Bereits 1986 hatte er zusammen mit seinem Schulfreund Robert Langer, heute CFO bei Disney in Los Angeles, Art Concerts gegründet.Die Firma mit 20 festen Mitarbeitern hat ihren Sitz am Starnberger See. Abraham veranstaltete Konzerte von David Bowie, Paul Simon und den Rolling Stones und organisierte große Klassik-Events wie die Carmina Burana, das Königsplatz Open Air und Veranstaltungen wie das Art-Projekt, das ihn allerdings mit persönlichen Verlusten von mehr als einer Million D-Mark finanziell fast ruinierte.Mit der Monumental-Show "Ben Hur live", die gestern Weltpremiere in London feierte, erfüllt sich Abraham einen lang gehegten Traum, 50 Jahre nach dem mit elf Oscars ausgezeichneten Hollywood-Hit mit Charlton Heston in der Hauptrolle des jüdischen Adligen Judah Ben Hur. Legendär ist das große Wagenrennen, in dem Ben Hur seinen Todfeind, den römischen Offizier Messala, besiegt. "Ben Hur live" feiert seine Deutschlandpremiere am 25. September in Hamburg. Weitere Termine unter: www.benhurlive.de
Dieser Artikel ist erschienen am 18.09.2009

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