Franz Abraham

"Wir lebten von der Hand in den Mund"

G. Brandenburg, T. Knipper
Veranstalter Franz Abraham erfüllte sich einen Traum und produzierte den Monumentalfilm Ben Hur als Live-Event. Im Interview spricht er über fantasielose Investoren, das Leasen von Geiern und Pferden und seinen Zwang, selbstständiger Unternehmer zu sein.
Franz Abraham studierte Philosophie und fuhr AutorennenFoto: © Emanuel Bloedt
Herr Abraham, Sie haben gesagt, sie hätten sich in den letzten Jahren wie Ben Hur auf der Galeere gefühlt. Wieso?
Weil die letzten Jahre eine durch kurze Glücksmomente durchbrochene Totalkrise war. Es war wie ein Teufelskreis, aus dem man nicht herauskommt, wenn man sich nicht selbst verleugnet, total abschreibt und Konkurs anmeldet. Zehn Tage vor der Weltpremiere von Ben Hur in London war ich nicht sicher, ob wir die Finanzierung schaffen. Wir lebten von der Hand in den Mund. Jetzt ist aber kurzfristig noch ein Unternehmen aus der Entertainment-Branche eingestiegen, so dass die Tournee bis Januar steht.
Hat es Sie überrascht, dass sich Sponsoren in der Krise zurückhalten?
Ich kann verstehen, dass Firmen sich mit Sponsoring zurückhalten, auch weil der Werbeeffekt nicht direkt messbar ist. Aber dass wir für ein solches Thema so lange keine Investoren gefunden haben, bei unserer erfolgreichen Vergangenheit, ist mir völlig unverständlich.
Woran lag es?
Viele dieser komplett fantasielosen Investoren folgen immer nur ihrem Haupttrieb: Angst. Angst, irgendetwas zu tun, was deren Berater nicht gut finden. Es sind dieselben Leute, die Bernard Madoff das Geld in den Rachen geschmissen haben. Leute, die absolute Schrottfilme, also vorhersehbare Verluste, finanziert haben. Ich habe millionenschwere Investoren angesprochen. Einer von ihnen sagte: "Ach Franz, ich investiere nur noch in regenerative Energie." Dabei bin ich von denen vor zehn Jahren noch als Öko-Apostel abgestempelt worden, weil ich Müll getrennt habe. 70 Millionen hat er in Ökofonds investiert! Ich wollte doch nur 500 000 Euro. Es kam nichts. Diese Leute, die Zeit haben wie Sand am Meer, und dann sagen: Ich kann nicht, ich muss nach Marbella.
Was war mit den Banken?
Wir haben Kredite von Postbank, Commerzbank und der Salzburg München Bank, diesen Banken bin ich bis an mein Lebensende dankbar. Die Postbank hat uns in größter Not auf Zuruf noch 100000 Euro gegeben. Sie müssen sich das vorstellen: Jede Woche gehen jetzt Hunderttausende raus. Wir haben hier über 400 Leute. Allein bei 20 Euro pro Person für das Catering sind das 8000 Euro täglich. Dazu kommen noch Getränke und Hotelkosten. Vom Gehalt ganz zu schweigen. Außerdem habe ich immer wieder mit den Lieferanten verhandelt und Leasing in allen Formen gemacht.
Was haben Sie denn geleast?
Alles. Büromöbel, Computer, Lampen, Pferde. Wir haben sogar überlegt einen Geier zu leasen, haben ihn aber aus Kostengründen erst mal weggelassen.
Wie viel kostet die gesamte Produktion?
Wir hatten mit sechs Millionen Euro gerechnet. Wir liegen jetzt bei 6,3 Millionen etwa, wir sind extrem budgettreu. Das waren wir schon immer. Hinzu kommen 13 Millionen Euro für die Tournee.

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