Porträt

Wenn der Torwart zum Stürmer wird

Joachim Hofer
Richtig stolz ist Baumann vor allem auf seinen "Jabulani", den offiziellen Ball der WM. Unter großer Hitze verschweißt, ist die Plastikkugel rund wie kein Ball zuvor, gleichzeitig ist die Oberfläche aufgeraut für eine optimale Haftung am Schuh. Es ist ein High-Tech-Produkt, das nichts mehr mit den Lederbällen zu tun hat, mit denen Adidas in den 50ern groß geworden ist, die sich bei Regen jedoch mit Wasser vollsogen wie Baumwollsocken.Wäre der Weltfußballverband Fifa nicht strikt dagegen, Baumanns Leute hätten auch längst Elektronik in die Bälle eingebaut. Damit ließe sich dann einwandfrei feststellen, ob ein Ball im Tor war - oder eben nicht. Auf diesem Feld sieht der Manager in den nächsten Jahren viel Raum für Neuerungen, und damit zusätzliche Umsätze. Schon jetzt müssen die Fans allerdings tief in die Tasche greifen, wenn sie den Original-Ball haben wollen: 120 Euro verlangen die Händler.Die Weltmeisterschaft selbst wird Baumann nur zum Teil vor Ort miterleben. Die ersten zwei Wochen verfolgt er am Fernseher, erst dann reist er nach Südafrika und stellt wichtigen Kunden die Fußballausrüstung der kommenden Jahre vor. Den Ball der Europameisterschaft 2012 in der Ukraine und Polen haben die Entwickler schon fast fertig und auch die Muster der Schuhe für die Nationalteams liegen bereits in den Kartons.Die Partien am Kap kann der Fußballfan gelassen anschauen, schließlich geht gleich ein Dutzend Teams mit den Adidas-Leibchen an den Start, und mit Spanien, Argentinien und natürlich Deutschland stehen die Chancen gut, dass eines bis ins Endspiel kommt.VITAMarkus Baumann wird 1965 in Hof/Bayern geboren.In den Jahren 1986 bis 1990 studiert er in Nürnberg an der Fachhochschule Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing.Bei Adidas beginnt er 1990 als freier Mitarbeiter, ein Jahr später kommt die Festanstellung in der Fußballsparte des Sportkonzerns.Der Franke wechselt 2001 für zwei Jahre in die Deutschland-Niederlassung von Nike, dem weltgrößten Sportkonzern.Nach seiner Rückkehr zu Adidas im Jahr 2003 ist Baumann erst für Fußballschuhe und Bälle zuständig, im Herbst 2006 übernimmt er dann das gesamte Fußballgeschäft des Konzerns.Die Fußball-Weltmeisterschaft dieses Jahr in Südafrika ist der bisherige Höhepunkt seiner Karriere. Baumanns Sparte soll so viele Schuhe, Trikots und Bälle verkaufen wie noch nie in der Geschichte des Unternehmens.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.05.2010

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