Beratung und Training

Weiche Landung nach der Kündigung

Claudia Obmann
Auch wenn ein höherer Bildungsgrad der Dauerarbeitslosigkeit vorbeugt, die Phasen ohne Arbeit im Erwerbsleben dehnen sich aus, belegt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Ob Männer oder Frauen, ob in Ost- oder Westdeutschland - das Risiko, die Stelle zu verlieren, nahm zwischen 1991 und 2007 zu. Und: "Arbeitslosigkeit wird schon beim Berufsstart der 20- bis 30-Jährigen zur allgemeinen Erfahrung", lautet das Fazit der Verfasser."Deshalb umschreibt ,Generation Krise' meine Altersgruppe treffend", findet Patrick Müller. Gleich zweimal seit seinem Berufseinstieg im Jahr 2005 hat der heute 31-jährige Diplom-Kaufmann die Kündigung erhalten. Im Ausland stand der Produktmanager ohne Abfindung und Outplacement-Paket von heute auf morgen auf der Straße. "So fand ich mich mit 30 in meinem ehemaligen Kinderzimmer wieder, wo ich die kümmerlichen Reste meiner Existenz aufkehren musste. Mir fehlte nicht nur eine sinnvolle Aufgabe, sondern auch das soziale Netz von Freunden und Kollegen."Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit entschloss sich Müller, auf eigene Kosten einen Profi zu Rate zu ziehen. "Alle Zukunftsentwürfe, vom Lebenskünstler in Paris bis zur Vertriebler-Tätigkeit in der deutschen Provinz, schienen möglich", sagt der Absolvent führender Wirtschafts-Unis über seine Sinnkrise. Ursprünglich hatte er zu diesem Zeitpunkt mit einer Beförderung auf eine Führungsposition gerechnet.Wegweiser zum ZielWährend seiner Gespräche mit dem Coach der Outplacement-Beratung von Rundstedt wurde dem Akademiker klar, dass er zwar wusste, was er erreichen wollte - eine prestigeträchtige Stelle am Puls der Zeit, verbunden mit dem entsprechenden Lebensstil -, aber nicht, wie er es dahin schaffen sollte. Dem Marketingmanager fehlte das Spezialthema. Doch nach zwei Monaten stand fest: "Marketing bleibt der rote Faden. Ich fange nichts komplett Neues an, sondern werde mich zum absoluten Fachmann für Herrenpflege-Produkte entwickeln. Planungshorizont mindestens fünf Jahre."Von seinem geradlinigen Lebenslauf hat er sich verabschiedet. Eine medizinische Weiterbildung, ein Praktikum in der Parfümeurs-Hochburg Grasse sowie ein Vertriebseinsatz für Pflegeprodukte in New York stehen nun auf Müllers Programm: "Dass meine Lateinkenntnisse noch mal gefragt wären und ich Kräuter mischen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Wie so viele meiner Generation musste ich erkennen, dass es keine Dauerkarte für die Karriere-Loge gibt."OUTPLACEMENTExterne Spezialisten unterstützen im Auftrag des Arbeitgebers gekündigte Mitarbeiter bei ihrer Neuorientierung. Sie analysieren die persönlichen Stärken, ermitteln den Weiterbildungsbedarf, erarbeiten Alternativen, optimieren Bewerbungsunterlagen, trainieren Vorstellungsgespräche und helfen bei der Jobsuche. Die Bundesagentur gibt bis zu 2 500Euro pro betreutem Mitarbeiter dazu.Der "verdeckte" Arbeitsmarkt ist diesen Spezialisten häufig bekannt. Sie kennen Arbeitgeber, die offene Stellen nicht in Jobbörsen listen. Outplacement-Berater lassen sich in der Datenbank des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater unter www.bdu.de/beraterdatenbank.html finden.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.05.2010

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