Büro-Organisation

Was der Schreibtisch über Sie verrät

Manfred Engeser, wiwo.de
Meterhohe Aktenstapel, Fotos von den Kindern, Spielfiguren aus Plastik: Schreibtische sind nicht nur nüchterne Arbeitsfläche, sondern Spiegel der Seele und unserer Gesellschaft. Weil unsere Arbeitswelt im Umbruch ist, wird der eigene Schreibtisch aber zum Auslaufmodell. Die Zukunft gehört flexiblen Arbeitsplätzen.

Foto: jupp055/Pixelio

Nur ein Wunschtraum: Militärisch-penible Bürokultur

Kein privater Nippes auf dem Schreibtisch, keine turmhohen Papierstapel und nach Feierabend alles picobello aufräumen: Für den Chef des mittelständischen Designbüros aus Pune in Indien ist die Marschroute eindeutig. In seinem Unternehmen habe eine kühle, erfolgsorientierte Atmosphäre zu herrschen.

Weshalb er nicht nur das Umsatzziel für 2011 – 25 Millionen Dollar – groß an die gelbe Wand pinseln ließ. Sondern auch Wert legt auf eine militärisch-penible Bürokultur – an die sich, so die Überzeugung des Chefs, auch seine Mitarbeiter halten.

Der Blick auf die Schreibtische aber zeigt: Die meisten Mitarbeiter sind meilenweit entfernt vom angelsächsisch-protestantisch geprägten Schreibtisch-Ideal ihres Chefs. Windschief zusammengeschobene Aktenstapel finden sich neben zu Stiftboxen umfunktionierten Kaffeetassen. Auf den Regalen reihen sich Plüschbälle neben Einkaufstüten, Schachteln mit Kopfschmerztabletten und leeren Wasserflaschen.

Chaos, wohin das Auge sieht

Mit zwei Heiligenfiguren aus Holz verwandelte ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz in einen Ersatz-Schrein. Und kritzelte Notizen schon mal direkt auf seine Schranktüren.

Chaos schlägt Ordnung Indien? Ist näher, als Sie denken. Denn so wie auf den Schreibtischen der Designer aus Pune sieht es in vielen Unternehmen weltweit aus. Ob Nürnberg oder New York, Berlin oder Barcelona, Rosenheim oder Rio – auf fast allen Schreibtischen regiert das Chaos: Hier liegt ein Stapel Papier, da drei offene Ordner.

Der Bildschirm ist umrahmt von Klebezetteln mit der Durchwahl der Kollegin aus dem Vertrieb, Passwörtern und hingekritzelten Arbeitsaufträgen („wichtig“). Neben dem Telefon steht die ungespülte Kaffeetasse vom Vortag. An der Wand hängen Fotos vom gerade geborenen Patenkind, Urlaubspostkarten von Freunden und der Flyer vom Pizzaservice.

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