Agrarwirtschaft

Vom Student zum Unternehmer

Jens Konrad Fischer
Stefan Dürr hat die wichtigsten Stationen seines Lebenslaufs gemaltFoto: © privat
Während Dürrs Ideen so die Zukunft des größten Flächenlandes der Welt bestimmten, holte der erst mal seine Diplomarbeit nach. Dafür musste er zurück an die Uni nach Bayreuth und zu den Eltern in den Odenwald, zurück in die schmalen Täler und beschaulichen Dörfer seiner Heimat. Dabei wurde Dürr klar, dass er ohne es zu merken, längst anderswo Wurzeln geschlagen hatte. Aus dem Odenwald, in dem kein Platz mehr für ihn war, war längst der Odenwald geworden, in dem er sich allein und fern von sich selbst fühlte.
Seine Heimat lag in Russland, wo man ihn kannte und schätzte und wo er gerade das Mädchen kennengelernt hatte, das später seine Ehefrau und die Mutter seiner vier Kinder werden sollte. Außerdem realisierte Dürr, dass sich ihm hier nun die Chance bot, genau das umzusetzen, was ihm im Odenwald verwehrt geblieben war: einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Alles was folgte, tat Dürr mit der Gewissheit, seinen Platz im Leben gefunden zu haben.1998 legte Dürr seine Tätigkeit als Leiter des agrarpolitischen Dialogs nieder und stieg in den Handel mit Landmaschinen ein. Kontakte hatte er genügend, sowohl in Russland als auch in Deutschland. Zudem gelang es ihm aufgrund seines großen Praxiswissens in der Landwirtschaft schnell, das Vertrauen seiner Kunden zu gewinnen.So liefen Dürrs Geschäfte mit Landmaschinen gut an, und als 2003 die Sperrfrist für den Verkauf von Grundeigentum endete, hatte Dürr das Kapital zusammen um sich den Traum vom eigenen Hof zu erfüllen. Er erwarb Land im südrussischen Bezirk Woronesch, in den nächsten Jahren folgten weitere vier ehemalige Kolchosen in der Umgebung. Auf vier der fünf Betriebe betreibt Dürr auch Viehzucht, insgesamt werden dort inzwischen rund 11000 Rinder gehalten.Heute ist Dürrs Konzern der fünftgrößte Milchproduzent in Russland und der größte Agrarmaschinenimporteur des Landes, er ist einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer in Russland. Das Einzige, was vom Landwirt im Odenwald übrig geblieben ist, ist der Dialekt.Vita Stefan Dürr1964 wird Stefan Dürr in Eberbach im Odenwald geboren. Er wächst dort auf.Im Studium der Argrarwissenschaft an der Universität Bayreuth träumt er davon, den Hof des Großvaters zu übernehmen.1989 geht er im Rahmen eines Praktikantenaustauschs nach Russland.1991 beginnt er, Reisen für Vertreter der russischen Argraverwaltung zu ostdeutschen Landwirtschaftsunternehmen zu organisieren. Immer öfter fährt er in den Folgejahren nach Russland.1998 steigt er dort in den Handel mit Landmaschinen ein.2003 erwirbt er den ersten landwirtschaftlichen Betrieb in Russland. Heute besitzt sein Unternehmen Ekoniva gut 100 000 Hektar Land und ist Marktführer im Landmaschinenhandel in Russland.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.03.2010

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