Porträt

Vom Fußballprofi zum Unternehmer

Carola Sonnet
Der Umsatz der Möbelindustrie lag 2009 bei 18,3 Mrd. Euro, zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Nach Informationen des Möbelindustrie-Verbandes wurden allein für Gartenmöbel pro Kopf knapp 16 Euro ausgegeben, dementsprechend lag diese Umsatzgröße bei etwa 1,3 Mrd. Euro. "Die Möbelindustrie polarisiert im oberen und im unteren Segment", sagt Verbandssprecherin Ursula Geismann. "Dedon geht voll in Richtung Marke und Hochwertigkeit", ein Trend, der die Verbrauchernachfrage widerspiegele.Um Punkt halb eins ist für alle MittagspauseDekeyser weiß, dass er diese Nachfrage nur erfüllen kann, wenn er die richtigen Mitarbeiter hat. Wenn sie sich wohl genug fühlen, um kreativ zu sein. Also baute er eine Sporthalle, eine Sauna, einen Volleyball- und Fußballplatz, einen Angelteich. Er will Gemeinschaft, ein Team, eine Art Dedon-Familie. Tanzkurse, Sprachkurse und Sportkurse werden angeboten, sobald sich genug Mitarbeiter dafür interessieren.Um Punkt halb eins ist für alle Mittagspause, sie sitzen auf langen, dunkelbraunen Bänken und Tischen, das Licht ist gedämpft. Durch eine Glaswand sieht man draußen die Gartenmöbel im Schnee versinken. In der Werkhalle nebenan, wo die Kunstfaser produziert wird, sind die Maschinen gelb angestrichen, weil Dekeyser grau zu öde fand.Weil ihm auf Dauer auch das alleinige arbeiten für das Unternehmen zu eintönig war und er mehr Zeit für die Idee seiner Stiftung brauchte, die ihm damals schon durch den Kopf geisterte, traf er vor drei Jahren eine Entscheidung: Für einen dreistelligen Millionenbetrag verkaufte er 49 Prozent von Dedon an Investoren. Die Familie zog nach Genf, er fuhr nur noch ab und zu nach Lüneburg. Den Teil einer Pazifikinsel hat er sich auch geleistet, sein Traum ist ein "Dedon Island".Die Investoren legten die Hälfte des Verkaufspreises als Schulden auf die Firma um. Dann kam die Krise und sie wollten Produktionskosten sparen. Leute entlassen, das Marketingbudget einfrieren. Aber ohne Dekeyser. Denn das hätte gegen sämtliche Prinzipien verstoßen, an die er glaubt. Also kaufte er ihnen kurzerhand die Unternehmenshälfte wieder ab. Für einen Bruchteil des Verkaufspreises, trotzdem hatte er auf einmal Schulden: "Dedon kam als Lawine zurück", er sah sich 18 Bankern gegenübersitzen, musste seinen Kredit verlängern und harte Auflagen erfüllen.Seine Familie steht bedingungslos hinter ihmNur durch Zufall lernte er über einen guten Freund den Arzt Daniel Borer kennen, er nennt ihn "Dani". Sie trafen sich in einem Luxushotel in Ascona, kamen ins Gespräch. Am nächsten Morgen um sechs Uhr, beide noch im Bademantel, liefen sie sich noch mal über den Weg. "Ich weiß nicht, was dann passiert ist", sagt Dekeyser heute. Jedenfalls gingen sie spazieren, Dekeyser bot Borer 20 Prozent von Dedon an für die Summe, die er der Bank schuldete. "Das Gespräch hat genau sieben Minuten gedauert."Borer ist ein bescheidener Mann, aber steinreich. Sein Vater, Harry Borer, war früher Hauptaktionär von Rolex Biel. 2004 wurde Rolex Biel für 2,5 Mrd. Franken an Rolex Genf verkauft. Der Rolex-Erbe hat die Bank ausgezahlt, jetzt arbeiten Dekeyser mit seinen Möbeln und Borer, der in Luxushotels investiert, zusammen.Die einzige Bedingung, die Dekeyser gestellt hat, ist, dass ab 2012 zehn Prozent der Gewinne von Dedon in seine Stiftung fließen. Borer sagte nur: "Warum nicht mehr?" Den Vorwurf "Die können es sich ja leisten" lässt Dekeyser nicht gelten, denn es gebe so viele Menschen, für die Geld eine viel größere Rolle spielen würde und die es nur vermehren wollten, um es besitzen zu können. Die schon ein Prozent des Gewinns für einen guten Zweck zu viel fänden.Die Begegnung mit Borer ist ein Beleg für die Einstellung, mit der Dekeyser durchs Leben geht: Die Probleme lösen sich von selbst, wenn man auf sein Bauchgefühl hört. Und wenn man weiß, wer hinter einem steht, dass man eine Familie hat, die einen bedingungslos unterstützt.Deswegen hat er auch den Schritt gewagt und im vergangenen Jahr seine Stiftung gegründet. Er will dafür keine Spenden, keine Interessenskonflikte. Einer der "Friends", die mit den Stipendiaten zwischen 18 und 28 zusammenarbeiten, ist Markus Wasmeier. Der ehemalige Olympiasieger hat mit den Jugendlichen drei Monate lang ein bayrisches Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert wieder aufgebaut. Dabei waren ein ehemaliger Kindersoldat aus Uganda und eine arbeitslose US-Amerikanerin.

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