Vom Fußballprofi zum Unternehmer


Der ehemalige Fußballprofi Bobby Dekeyser schlug einen eher ungewöhnlichen Weg ein: Er entschied sich gegen eine Karriere als Trainer - und verdient heute nach einigen Rückschlägen mit Luxusmöbeln sein Geld. Seine Firma expandiert sogar - weltweit.

Bobby Dekeyser, ehemaliger Fußballprofi und Gründer von Dedon Dekeyser: Vom Fußballprofi zum Pleitier zum Millionär Foto: © Holger Roschlaub

Auf einer heißen, bestialisch stinkenden Kippe wohnen die Müllmenschen von Cebu. Diese Philippinos leben vom Verkauf der wenigen wertvollen Dinge, die andere weggeschmissen haben.

In Lüneburg sitzt Bobby Dekeyser auf einem seiner Sofas mit sehr breiter Sitzfläche. Diese Sofas, vielmehr das Material, aus dem sie auf den Philippinen von Hand geflochten wurden, haben ihn reich gemacht. Mit fünf Millionen Euro hat er 2009 die Stiftung Dekeyser & Friends gegründet.

"Das ist hart verdientes, versteuertes Geld", darauf legt Dekeyser Wert. Er könnte sein Unternehmen auch längst auf die Philippinen ausgelagert haben, wo ein Großteil seiner 2800 Mitarbeiter als Möbelflechter arbeitet. Junge Menschen aus aller Welt bekommen von Dekeyser Stipendien, um ab April 2010 in Cebu ein Dorf für 30 Familien der Müllmenschen zu bauen. Zwei andere Projekte in Europa sind bereits abgeschlossen.

So will Dekeyser seinem hart erarbeiteten Erfolg einen Sinn geben, seinen ungewöhnlichen Lebensweg dafür nutzen, Perspektiven für die zu eröffnen, die scheinbar keine haben. Weil er dieses Gefühl sehr gut kennt. Der 45-Jährige hat die Schule abgebrochen, um Bundesliga-Profi zu werden. Er spielte bei Bayern München, Nürnberg und 1860 München als Torwart. Die Karriere endete nach einem schweren Unfall mit 26.

Er machte sich selbstständig, gründete das Gartenmöbelgeschäft Dedon mit seinem Schwager in einem umgebauten Hühnerstall. Zehn Jahre lang wollte niemand seine Möbel kaufen. Der Durchbruch kam erst 2000. "Das war völlig verrückt, aber auch furchtbar, weil es so plötzlich und auf einmal kam", sagt er heute. Die Steigerungsraten beim Verkauf lagen nie unter 30 Prozent, sogar Brad Pitt und Papst Johannes Paul II. haben bei ihm gekauft. Bekannter wurde Dedon noch mit der WM 2006, als Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger im Hotel auf Dekeysers Sesseln die Beine langmachten.

Dekeysers Motto: Nie aufgeben

Geschäftszahlen veröffentlicht Dedon keine mehr, der letzte bekannte Umsatz lag 2004 bei 42 Millionen Euro. Lediglich, dass die Firma seitdem kräftig gewachsen ist, gibt Dekeyser zu. Doch seit 2008 stagniert der Umsatz, in der Krise sind Gartenmöbel nicht so wichtig. Trotzdem geht Dekeyser in die Offensive, statt zu sparen: "Wir geben volle Kanne Gas."

Mit zusätzlichen Designern plant er eine neue Kollektion, eröffnet weitere Showrooms, arbeitet mit dem für seine Modeaufnahmen bekannten Fotografen Bruce Weber zusammen. Er fliegt durch die Welt, ist viel draußen und in der Sonne, ständig in Bewegung. Obwohl die Haare inzwischen grau sind, wirkt er jünger als 45. Dabei ist, was er erlebt hat, mehr als genug für zwei Leben. Kein Gedanke an Ruhe, die Ideen sprudeln nur so aus ihm heraus.

"Nie aufgeben", egal wie schlecht die Aussicht sein mag, das ist sein Motto, sagt Dekeyser. Er hat es gelebt. Vor 20 Jahren traf der Ellbogen eines Gegenspielers den Torwart in der Nachspielzeit mit voller Wucht ins Gesicht. Erst im Krankenhaus wachte er wieder auf, auf dem linken Auge fast blind - die Narbe ist heute noch deutlich zu erkennen. Als 1860 München einen neuen Torwart verpflichtete, entschied er sich für die Selbstständigkeit, ohne jegliche Vorkenntnisse.

"Das war ein unglaubliches Risiko, ich hab alles auf eine Karte gesetzt, hatte Schulden ohne Ende." Dekeyser spricht sehr schnell, die Sätze fließen ohne Punkt und Komma ineinander über, es gibt so viel zu erzählen. Am Ende jeder Aussage steht ein "Ne?", so als wollte er noch mal betonen, dass wirklich alles so passiert ist. All das Geld, das er als Fußballprofi verdient hatte, war ausgegeben, er musste sich und seine wenigen Mitarbeiter trotzdem über Wasser halten. Der perfekte Verdrängungskünstler.

"Rein rational betrachtet, hätte ich von der Brücke springen müssen." Möbelmessen gingen immer in die Hose, er schlief im Lastwagen, statt im Hotel. Aber er war damals schon mit seiner Frau, einem Model, verheiratet und hatte Kinder. Und er glaubte an seine Idee.

Mit einer Kunstfaser ließ er Gartenmöbel in Rattanoptik von den weltbesten Handwerkern auf den Philippinen flechten. Der Vorteil: Unempfindlichkeit. Ein weiterer Pluspunkt: Die Neigung der Deutschen, viel Geld für Möbel auszugeben.

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