Automobilbranche

Volkswagen Individual: Junge Leute am Werk

Martin Roos
Bodo Philipp sitzt mit seinen Chefs und Kollegen nicht in der VW-Autostadt, sondern nördlich von Wolfsburg in Warmenau. Mit 30 Leuten hat die Spezialeinheit 2003 angefangen. Einen ersten Coup landete VW Individual mit der Entwicklung des Golf R32. Etwa 5.000 Exemplare des sportlichen Wagens sollten auf den Markt kommen. Es wurden 15.000 - ein Erfolg, der die VW-Manager veranlasste, mehr in ihre pfiffige Erfinderschmiede zu investieren. Heute arbeiten 207 Leute für VW Individual, das Durchschnittsalter ist 33 Jahre. Zuletzt wurde vor allem die Vertriebsmannschaft aufgestockt.Philipp, der Diplom-Ingenieur, fing vor drei Jahren als studentische Hilfskraft der Volkswagen AG in der Abteilung Entwicklungssteuerung an. Dort programmierte er beispielsweise die Intranetseite. Dass er heute so etwas wie die seriöse Form von Xzibit, dem Master of Ceremonies in der MTV-Show Pimp my ride, in der Schrottautos zu Luxusschlitten aufgepeppt werden, sein darf, findet er "einzigartig": "Das Schöne an meinem Job ist, dass ich von Anfang an an der Entwicklung der Fahrzeuge beteiligt bin. Ich spreche direkt mit den Kunden, begleite die Design- und Konzeptphase und übergebe am Ende das Fahrzeug auch schon mal persönlich", erklärt der Unikate-Koordinator.Giganten-KarosseNicht jeden Wunsch kann Philipp erfüllen - zumindest nicht sofort: Vor zwei Jahren wollte ein Scheich einen gestretchten Phaeton ordern. "So etwas konnten wir seinerzeit technisch nicht abbilden, uns fehlte die Erfahrung, wir mussten passen", erzählt Philipp. Doch irgendwie ließ ihn und seine drei Kollegen die Vorstellung einer langgezogenen Luxuslimousine des Modells Phaeton nicht los. Sie begannen mit einer Sitzprobe in der Werkstatt, nahmen vier Phaeton-Sitze aus dem Regal und gruppierten sie so lange hin und her, bis sie sich mit ausreichend Beinfreiheit gegenübersaßen. Dann stand fest: Wollten sie den Vater aller Phaetons bauen, musste er 1,80 Meter länger werden als die Modelle vom Serienband.Nach sechs Monaten Denkarbeit und einem weiteren halben Jahr Handwerk war es soweit, aus drei Limousinen wurde eine: der "Phaeton Lounge", 6,80 Meter lang, 420 PS stark - ein rollender Club mit Bordbar, Champagner- und Whisky-Gläsern, Kühlschrank, Humidor aus Eichen- und Zedernholz für die Cohiba, getönten Scheiben und einer Fußbodenbeleuchtung, die mit wechselnden Farben über die Dielen schimmert. Wie im Flugzeug lassen sich kleine Tische aus den Armlehnen entfalten. Per Bluetooth sind Computertastatur und Maus mit einem im Kofferraum installierten PC mit Mehrfach-DVD-Wechsler verbunden. Zwei 17-Zoll-Monitore sind in die Fahrzeugdecke integriert.Ob der King-Size-Phaeton in Serie geht, steht noch nicht fest. Interessenten gibt es genug, meint Philipp. Einen Preis für sein Super-Unikat hingegen gibt es nicht. Noch nicht. Das dürfte allerdings die potenzielle Kundschaft nicht weiter interessieren. Luxus ist für sie nicht eine Frage des Preises, sondern des Willens.Karriereurteil: VW IndividualGeschäftsfeld: Automobil
Umsatz: k.A.
Mitarbeiter: 207
Einstellungen: k.A.
Qualifikationen: BWL, techn. Studium
Einstiegsgehalt: 30.000 Euro pro Jahr
Kontakt: VW Individual GmbH, Hannoversche Straße 2a, 38448 Wolfsburg, e-mail: rene.lotz@volkswagen.de oder extern nils.tack@volkswagen.de,www.volkswagen-individual.deMarktführer: 2 Punkte
Kuschelfaktor: 3 Punkte
Entwicklung: 3 Punkte
Jobsicherheit: 4 Punkte
Work-Life-Balance: 2,5 Punkte
Gehalt: 3 Punkte
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2006

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