Thomas Sattelberger

"Vielfalt bereichert die Unternehmen"

Carola Sonnet
Stattdessen Demos Joschka Fischer, Kommunisten und Marxisten. Warum? 
Ich hatte mich einer Sache verpflichtet gefühlt, Überzeugungen prägen mich heute noch. Wenn ich etwas für richtig halte, kann ich richtig dafür kämpfen.
Mit 23 endete Ihr Politikengagement. 
Das war damals ein schwerer innerer Prozess, ich habe lange mit mir gerungen. Ich habe dann erkannt, dass der damalige Weg nicht mehr mein Weg war. Ich bin aber auch heute noch hochpolitisch.
Empfehlen Sie Studenten politische Erfahrung zu sammeln? 
Die Hochschulen müssen Zivilbürger fördern. Im Asta oder im Hochschulrat lernt man, seinen Mann und seine Frau zu stehen. Ingenieure müssen nicht nur Autos bauen, sondern sich auch Gedanken zum Klimawandel machen. Betriebswirte müssen sich mit der Rolle des Unternehmens in der Gesellschaft auseinandersetzen.
Wie sehen Sie heute Bewerber, die wegen politischen Engagements ihr Studium hinschmeißen? 
Nicht negativ, überhaupt nicht. Ich finde es ansprechend, wenn ein Lebenslauf Brüche hat. Das Leben ist nie glatt. Wenn ich verstehe, warum und wieso, ist das gut.
Muss ein Bewerber Ihnen etwas entgegensetzen können? 
Ja, wir sprechen auf gleicher Augenhöhe. Es imponiert mir, wenn jemand couragiert Themen anspricht, die ein glattgebügelter Mensch lieber nicht erwähnen würde, wenn ihm der Vorstand gegenübersitzt. Nicht locker lassen, nicht klein beigeben, aber auch zuhören können und nicht nur seine Story abspulen.
Gilt das auch für Ihre Führungskräfte? 
Natürlich. Ich bin ein harter Brocken, der einen harten Keil braucht. Manchmal wünschte ich mir noch mehr Widerspruch.
Nach dem ersten gescheiterten Versuch haben Sie sich selbst für eine Ausbildung an der Berufsakademie und gegen die Uni entschieden. Warum? 
Die Verbindung von Theorie und Praxis hat mich begeistert. Und ich war neugierig auf die unbekannte, verteufelte Wirtschaft.
In Deutschland wird oft mehr Wert auf Diplome von namhaften Universitäten gelegt als in andere Ländern. Welchen Vorurteilen sind Sie begegnet? 
Von "Schmalspurstudium" bis "Kapitalis-tenelite" war alles dabei. Das sind die gleichen Vorurteile, die es heute gegenüber den Bachelors gibt.
Warum sind Sie den neuen Abschlüssen gegenüber so positiv eingestellt? 
Es hat sich gezeigt, dass man in sechs, sieben Semestern einen guten Abschluss machen kann und ein hochwertiges Studium genossen hat. Aber um ein Thema zu diffamieren, muss man hier nur sagen, das ist was für Dumme oder es diene lediglich Unternehmensinteressen.

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