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"Viele haben keine Zeit, neue Menschen kennen zu lernen"
Wie sehen Ihre Eltern Ihr Engagement heute?
Ich denke, dass sie in erster Linie stolz darauf sind, dass sich das Unternehmen so gut entwickelt. Mittlerweile hören sie auch in ihrem Freundesund Bekanntenkreis immer wieder von Parship - meine Eltern sind beide Mitte 60, auch in dieser Altersgruppe sind wir gut vertreten - und sie sind dann stolz, wenn sie sagen können, dass ihr Sohn die Firma leitet. Sie haben Wirtschaft studiert - für eine Weile in Irland.
Wieso gerade dort?
Grund war der Film "Der Club der toten Dichter" - ich war begeistert von der Geschichte und von diesem klassischen Campus und wollte auch an eine solche Eliteschule. Ich habe mich informiert, was Harvard kosten würde und damit war das Thema auch schon vorbei - sparsame Eltern und die hohen Gebühren, das hat sich nicht so gut vertragen. Aber dann sah ich an der Uni in Nürnberg das Poster von diesem unvorstellbar schönen Campus, dem Trinity College in Dublin. Ich habe mich für einen Erasmus-Studienplatz beworben und diesen auch bekommen. Sie haben sogar über die wirtschaftliche Entwicklung Irlands promoviert. Das Thema Irland lag mir eher als beispielsweise die Bilanzierung in Kleinunternehmen. Die Iren haben aus einer sehr schwachen Wirtschaft mit vielen Standortnachteilen den keltischen Tiger gemacht. Schon Anfang der 70er hat die damalige Regierung eine große Offensive beschlossen, die man trotz vieler Widerstände und Rückschläge durchgehalten hat. Für Parship habe ich daraus gelernt: Man muss seinen Visionen vertrauen.
Vor Parship haben Sie beim Internetbuchhändler BOL gearbeitet, der zu Bertelsmann gehörte. Es hätte besser laufen können: BOL schrieb rote Zahlen und wurde verkauft. Haben Sie sich mitverantwortlich gefühlt?
Immer, wenn ich etwas mache, fühle ich mich mitverantwortlich. Alles andere wäre auch schäbig. BOL war meine erste operative Erfahrung, nachdem ich bei Bertelsmann in Gütersloh zuerst Strategiecharts gemalt hatte - ich weiß nicht, ob es ein Fluch oder ein Segen war, dass ich danach in eine so gehypte Einheit wie BOL gekommen bin. Wir wurden mit Vorschusslorbeeren überschüttet, konnten die Erwartungen aber nie erfüllen. Was ich für die Zukunft gelernt habe: niemals mehr versprechen, als man halten kann. Bertelsmann hatte angekündigt, dass BOL größer werden würde als Amazon. Man muss sich aus heutiger Sicht fragen, womit dieser Anspruch begründet war.
Was war Ihre persönliche Konsequenz?
Ich bin vorsichtiger geworden. Ich habe mir damals einen Zettel gemalt, auf den ich geschrieben habe, was ich in meinem nächsten Job haben will: ein unpolitisches Umfeld und Internet-Orientierung. Am wichtigsten war aber mein Wunsch, eine Einheit zu haben, bei der ich alleiniger Geschäftsführer bin. Ich habe eine große Freiheitsliebe und ich will gestalten, ohne dass mir ständig jemand erzählt, was zu tun ist. Ich wäre sicher der Falsche für ein Großkonzerngebilde. Sie haben vor Ihrem Einstieg bei BOL gesagt, dass Sie zu dem Zeitpunkt gerade mal drei E-Mails in Ihrem Leben geschrieben hätten.
Wofür benutzen Sie das Internet heute?
Beruflich nutze ich das Internet ständig. Das Internet schafft eine unglaubliche Freiheit, ich kann es überall weltweit nutzen - aber ich muss nicht, ich kann es auch jederzeit abschalten.
Schaffen Sie das?
Ja, mein Blackberry geht automatisch um 21 Uhr aus und um 6.30 Uhr wieder an. Am Wochenende lese ich Zeitungen und Zeitschriften. Da würde das Internet nur zum Einsatz kommen, wenn wir zum Beispiel eine Wohnung suchen oder einen Urlaub buchen wollen. Und natürlich, wenn ich einen Partner suchen würde, was ich aber nicht tue.
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