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Verhandeln Sie trotz Krise Ihr Gehalt

Ulrike Heitze
Maßgeblich beeinflusst wird das Einkommen von der Unternehmensgröße, der Branche und dem Sitz der Firma. Banken, Chemie- und Pharmaunternehmen sowie die Automobil- und Konsumgüterindustrie zählen grundsätzlich zu den Besserbezahlern - was mögliche Nullrunden schnell zu einem Jammern auf hohem Niveau macht. Bau, Medien, Handel, Kultur und soziale Dienste zahlen dagegen traditionell unterdurchschnittlich. Die Gehälter von Architekten sind schon fast legendär niedrig: Laut Architektenkammer Nordrhein-Westfalen verdient ein Diplom-Ingenieur mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung im Schnitt 29800 Euro. Dafür würde ein Ingenieur aus dem Maschinenbau nicht einmal direkt nach dem Studium beginnen. Mit fünf Jahren Joberfahrung verhandelt er mindestens über das Doppelte.Das wichtigste Kriterium ist die Unternehmensgröße. Wer in einem 20-Mann-Betrieb statt in einem Großkonzern beginnt - Unterschiede in den Aufgaben, der Verantwortung und der Entscheidungsbefugnis sind nicht beachtet -, verhandelt um 20 bis 30 Prozent weniger Startgeld.Bestes Beispiel: die Juristerei. Während sich die renommierten Kanzleien die besten drei bis fünf Prozent eines Absolventenjahrgangs mit Einstiegsgehälter von 70000 Euro aufwärts sichern, müssen sich Junganwälte in kleinen Kanzleien häufig mit 30000 Euro und weniger begnügen. Große Mandate bringen eben großes Geld, kleine nur kleines. Gerecht ist das angesichts des langen Studiums und der Arbeit, die hinter dem Staatsexamen steckt, nicht, sagt Adrian Bingel, der es in die Liga der Gutverdiener geschafft hat. Aber solange die Unis weiter Jahr für Jahr unzählige Juristen auf den Markt spucken, wird sich daran wohl kaum etwas ändern. Otto-Normal-Juristen sind eben keine knappe Ware.Nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage bestimmt sich im Bewerbungsgespräch auch die Verhandlungsposition eines Kandidaten. Wer mit seinem Spezialwissen auf eine Stelle wie angegossen passt, hat bessere Karten als ein durchschnittlich ausgebildeter Mitbewerber. Bei der Frage nach dem Einkommen kann er also mehr verlangen.
Foto: © Junge Karriere
Grundsätzlich haben Unternehmen zwar präzise Vorstellungen, innerhalb welcher finanziellen Bandbreiten sie sich für eine Position bewegen können, ohne das interne Gehaltsgefüge zu sprengen. Doch wie teuer oder günstig der Bewerber letztlich eingekauft wird, hängt von dessen Passgenauigkeit ab. Und natürlich von seinem Geschick, seine Vorzüge rüberzubringen.
Was Personaler interessiert, sind Alleinstellungsmerkmale und Spezialisten. Gute Noten, Praktika und Auslandserfahrung bringen mittlerweile viele Bewerber mit. Das entscheidende I-Tüpfelchen sind Themen und Know-how, mit denen das Unternehmen etwas anfangen kann: Über eine Diplom-Arbeit über LED-Leuchten würde sich Osram freuen; ein Windkraft-Praktikum oder Russisch-Kenntnisse kämen bei RWE gut an; die Beratungsfirmen BCG und McKinsey dürften die Mitarbeit in einer studentischen Unternehmensberatung honorieren. So etwas macht einzigartig. Wer ein durchschnittliches Studium mitbringt, muss deutlicher an seinen I-Tüpfelchen feilen, wenn er ernsthaft ein Spitzengehalt fordern möchte.

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